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Klinisch-Praktische Informationen 8, 1 (2000)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Langzeitresultate von Homograftrekonstruktionen der Trachea im Kindesalter

Hintergrund: Die Behandlung langstreckiger kindlicher Trachealstenosen stellt ein biologisches und operatives Problem dar. Mit der Einführung homologer konservierter Trachealtransplantate wurde eine neue Möglichkeit zur organgerechten Rekonstruktion etabliert. Die Größenentwicklung der wachsenden kindlichen Luftröhre nach Rekonstruktion mit einem homologen Graft ist ein besonderer Diskussionspunkt. Vergleichbare Ergebnise liegen andernorts nicht vor.

Patienten und Methoden: Seit 1983 wurden 20 Kinder im Alter von 1 - 13 Jahren (durchschnittlich 7,2 Jahre) bei langstreckigen erworbenen Trachealstenosen operativ mit konservierten Trachealhomografts versorgt. Es wurden die Kinder in angemessenen Abständen nachuntersucht und bei einigen von ihnen radiologische Vermessungen der wachsenden Tracheen durchgeführt.

Ergebnisse: Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Behandlung bei allen Kindern abgeschlossen; manche haben bereits das Erwachsenenalter erreicht. Alle Kinder waren zum Behandlungsabschluß und bei einer unterschiedlich langen Nachbeobachtungszeit zwischen 18 Monaten und 14 Jahren (durchschnittlich 7,2 Jahre) ohne atembedingte Beschwerden. Bei endoskopischer Betrachtung zeigen sich zu keinem Zeitpunkt Kalibersprünge zwischen individueller noch wachsender Trachea und Transplantat. Die radiologische Vermessung der rekonstruierten Tracheen ergibt bei altersentsprechendem Längenwachstum auch eine, wenn auch geringe, Zunahme der Trachealquerschnitte. Als Sonderfall sollen die Daten eines Kindes geschildert werden, bei dem eine Totalrekonstruktion der Traches mit einem Homograft erfolgreich vorgenommen werden konnte.

Bei dem Kind Sabine K. wird im Alter von 2 Jahren ein Tumor im Bereich des Jugulums entfernt und die Diagnose einer aggressiven Fibromatose gestellt. 3 Jahre später wird die operative Entfernung eines Lokalrezidives nötig. Im Alter von 9 Jahren stellt sich bei dem Kind eine progrediente Luftnot ein und es wird bei erneutem Rezidiv der aggressiven Fibromatose nun eine Infiltration von Mediastinum und Trachea festgestellt. Im Februar 1985 erfolgt die Revision über eine Zervikotomie und Thorakotomie. Die Trachea war im Mediastinum zerstört und mußte zwischen Carina und Cricoid reseziert werden. Um überhaupt eine Chance zur Erhaltung des Lebens zu erhalten, wird ein Trachealtransplantat von 9 cm Länge eingebaut. Nach anfänglichen Wundheilungsstörungen zeigte sich der postoperative Verlauf dann sehr zufriedenstellend. Die Behandlung konnte vor Ablauf eines Jahres abgeschlossen werden. Anschließende endoskopische Kontrolluntersuchungen zeigten stets eine von glatter Schleimhaut überzogene innere Trachealoberfläche und freie Lumenverhältnisse. Im Verlauf durchgeführte Computertomographien mit Vermessungen der trachealen Dimensionen konnten sowohl eine altersgerechte Längenzunahme als auch eine Querschnittsvergrößerung der rekonstruierten, im Wachstum befindlichen, Trachea dokumentieren (Tab. 1). Heute ist die Patientin bei einer Nachbeobachtungszeit von nunmehr 14 Jahren frei von trachealen Problemen. Sie ist ganztägig berufstätig und treibt uneingeschränkt Sport.

Untersuchungsalter Länge der Trachea in mm Kleinster trachealer Querschnitt in mm
13 Jahre 75 10 x 10
14 Jahre 84 10 x 10
17 Jahre
98 11 x 11
23 Jahre 100 11,1 x 12,7

Tab. 1: Radiologisch festgestellte Dimensionen im Wachstumsverlauf nach Trachealrekonstruktion mit konserviertem Homograft am Beispiel der Patientin Sabine K.

Schlußfolgerung: Konservierte homologe Trachea kann als geeignetes Material zur Reparatur oder Rekonstruktion einer stenotischen oder defekten Trachea auch bei Kindern des frühesten Lebensalters angesehen werden.

Herberhold, C., M. Stein, M. v. Falkenhausen:
Langzeitresultate von Homograftrekonstruktionen der Trachea im Kindesalter. Laryngo-Rhino-Otol. 78:692-696 (1999), DOI: 10.1055/s-1999-8770.