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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Tumorresektionen im Bereich der Tonsillenloge oder der lateralen Oropharynxwand führen zu einer kranialen Kraftminderung während des Schluckaktes. Nach Resektionen am weichen Gaumen, an der Glossotonsillarfurche, dem Zungengrund oder der Vallecula reduziert sich die propulsive Kraft hinter dem Bolus durch Druckverlust nach kranial. Der Schluckakt ist infolgedessen unkoordiniert, die Boluspassage verlängert und die Aktion des oberen Ösophagus unregelmäßig. Resektionsbedingte Stenosen des pharyngoösophagealen Überganges erhöhen den Passagewiderstand vor dem Bolus. Kann die Stenose nicht durch eine Steigerung des oropharyngealen Druckpumpenstoßes kompensiert werden, resultieren zusätzliche, für den Patienten schmerzhafte Sphinkterdyskinesien. Nach Laryngektomie wird neben einer Verlängerung der Passagezeit eine Abnahme des Sphinkterdyskinesien deutlich, die aber durch eine bis zu dreifach verstärkte Zungengrundpropulsion kompensiert werden kann. Untersuchungen mit Hilfe einer eigens entwickelten pharyngealen Computermanometrie geben wertvolle Informationen über dynamische Funktionsabläufe während des Schluckaktes zusammen mit dem Einsatz einer Videofluoroskopie zum bilddokumentierten Schluckvorgang. Im Rahmen des Bonner Dysphagie-Zentrums werden diese Untersuchungsmethoden in einer engen Kooperation zwischen HNO-Klinik, Radiologie, Medizinischer Klinik und Neurologischer Klinik eingesetzt.
Patienten und Methoden: 29 Patienten mit mitochondrialer Myopathie (KSS und CPEO) im Alter zwischen 18 und 77 Jahren und einer Geschlechtsverteilung männlich:weiblich von 12:17 nach genetischer Analyse und vollständigem neurologischem Status einschließlich Muskelbiopsie wurden uns gezielt mit der Frage nach Hörstörungen vorgestellt. Neben HNO-ärztlicher Anamnese und klinischer Untersuchung wurden die Patienten neurootologisch (Reinton- und Sprachaudiometrie, Tympanometrie, Stapediusreflexmessung, überschwellige Audiometrie, OAE, ERA) und radiologisch (Felsenbein in Projektion nach Schüller und Stenvers) untersucht.
Resultate aus den Dysphagie-Analysen werden bereits rückkoppelnd auf operative Rekonstruktionsschritte erfolgreich übertragen. So werden im Zungengrundbereich volumenstarke Ersatzsegmente geschaffen, um einen Druckverlust nach kranial zu verhindern und eine Initialisierung des Schluckvorgangs zu ermöglichen. Im pharyngoösophagealen Segment erfolgt eine eher volumenschwächere Rekonstruktion, wie beispielsweise durch den in unserem Haus inaugurierten pectoralen myofascialen Lappen, um der ohnehin verstärkten Druckerzeugung im Zungengrund nicht einen noch größeren Passagewiderstand entgegenzusetzen.