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(Direktor Prof. Dr.C. Herberhold)
Evozierte otoakustische Emissionen sind im äußeren Gehörgang vorübergehend meßbare akustische Signale, die bei akustischer Reizung in der Hörschnecke entstehen. Für die klinische Anwendung der Registrierung von transitorisch evozierten otoakustischen Emissionen (TEOAE) ist während der letzten Jahre ein zunehmender Trend offensichtlich, insbesondere bei der Erfassung frühkindlicher Hörstörungen. Bei der Registrierung der akustischen Emissionen fungiert das Mittelohr als Überträger vom Sender (Hörschnecke) zum Empfänger (Meßsonde im äußerem Gehörgang), so daß zur Registrierung der otoakustischen Emissionen eine intakte Funktion des Mittelohres vorausgesetzt werden muß. Funktionsstörungen des Mittelohres können die retrograde Übertragung der otoakustischen Emissionen beeinflussen und unter bestimmten Umständen sogar den Nachweis im äußerem Gehörgang verhindern. Da die Übertragungseigenschaften des Mittelohres zur Erfassung der TEOAE wichtig sind, muß bei Beurteilung des Hörvermögens mit Hilfe der TEOAE Kenntnis darüber vorliegen, ob eine Funktionsstörung des Mittelohres vorliegt und wie diese sich gegebenenfalls auf das Meßergebnis von TEOAE auswirkt.
Um den Einfluß der Mittelohrfunktion auf die Meßergebnisse der TEOAE zu erfassen, wurde gezielt der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich die Mittelohrfunktion auf die Eigenschaften der TEOAE auswirkt und weiche Konsequenzen sich daraus für die klinische Interpretation ergeben. Es wurden Aufzeichnungen transitorisch evozierter otoakustischer Emissionen von 98 Ohren normalhörender Kinder und Erwachsene mit gleichzeitig registrierten Tympanogrammen verglichen. Es zeigten sich folgende Ergebnisse:
Allgemein läßt sich sagen, daß bei Patienten, bei denen sich trotz intakter Innenohrfunktion keine TEAOE nachweisen lassen, große Unterdruckund kleine Compliance-Werte im Tympanogramm vorliegen. Patienten mit nachweisbaren TEOAE weisen dagegen durchschnittlich geringere oder normale Druckwerte des Mittelohres auf. Es stellt sich ein signifikantes Einfluß der Mittelohrfunktion auf das Meßergebnis der TEOAE heraus.
Als Konsequenz ergibt sich, daß besonders bei Abklärung frühkindlicher Hörstörungen mittels otoakustischer Emissionen eine Tympanometrie neben der selbstverständlichen Otoskopie unerläßlich ist, um Fehlinterpretationen der otoakustischen Emissionen durch gestörte Mittelohrfunktion bei der Beurteilung des Hörvermögens zu vermeiden.