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Klinisch-Praktische Informationen 3, 1 (1995)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Superselektive arterielle Embolisation zur Behandlung rezidivierenden Nasenblutens bei Morbus Rendu-Osler

Die superselektive arterielle Embolisation steht als Therapie von rezidivierender Epistaxis bei Patienten mit Morbus Rendu-Osler zur Verfügung. Bei den derzeit vorhandenen technischen Möglichkeiten rückt ein interdisziplinäres Vorgehen gerade in solchen Fällen in den Vordergrund, bei denen die klassische Therapie durch invasivere Maßnahmen kaum vergleichbar gute Resultate ermöglicht. Nach Ausschöpfen aller bekannten Maßnahmen zur Beherrschung der Epistaxis bietet der Morbus Osler besondere pathologische Konditionen, die sich den üblichen therapeutischen Schritten entziehen.

Durch superselektive Sondierung können die multiplen angiektatischen Knötchen in der Nasenschleimhaut und im Mundvorhof dargestellt werden. Zuflussarterien sind in der Regel Äste der A. sphenopalatina sowie die A. palatina descendens aus der A. maxillaris beidseits, die A. dorsalis nasi als Endast der A. ophthalmica beidseits und die A. nasalis lateralis aus der A. facialis beidseits. In wiederholten Sitzungen werden die über die Aa. sphenopalatinae und Aa. palatinae descendens versorgten teleangiektatischen Knötchen z.B. mit PVA-Partikeln (Contour TM 45-150:) embolisiert.

Die superselektive Embolisation besitzt gegenüber einer chirurgischen Intervention (externe Gefäßligatur oder Dermoplastik nach Saunders) einige Vorteile. So werden mit der vor der Embolisation angefertigten Angiographie Gefäßversorgung, Blutungsquelle und Kollateralversorgung übersichtlich dargestellt. Der Eingriff wird in der Regel in lokaler Anästhesie durchgeführt; hierdurch wird nicht zuletzt die Hospitalisationsdauer verkürzt. Die Embolisation kann bei Rezidivblutungen leicht wiederholt werden und erfolgt von einem möglichst distalen Punkt in der Nähe der Blutungsquelle; das Risiko einer Rezidivblutung bei Versorgung durch Kollateralgefäße wird so gesenkt. Durch die superselektive Embolisation können Arterien erreicht werden, die der Chirurgie unzugänglich sind. Spezielle Indikationen hat dieses Verfahren bei narkoseunfähigen Patienten und Patienten mit erhöhter Blutungsneigung. Eine Kontraindikation ergibt sich bei Gefahr von Erblindung, wenn die Blutungsquelle aus den Aa. ethmoidales gespeist wird und diese nicht selektiv, d.h. distal des Abgangs der A. centralis retinae sondiert werden können. Einer besonderen Beachtung bedürfen bei jeder Embolisation die Anastomosen der septalen Äste der A. sphenopalatina zu den Aa. ethmoidales. Eine genaue Durchleuchtungskontrolle und vorsichtige Injektionen des Embolisats sind notwendig, auch wenn „gefährliche Anastomosen“ nicht erkennbar sind.

In jüngeren Serien wird die Komplikationsrate in der Literatur mit 3 - 7 % angegeben. Zerebrale Zwischenfälle (meist transitorisch) liegen in erfahrenen Händen unter 0,1 %. Ein Blutungsstillstand wird mit der superselektiven Embolisation in bis zu 97 % der Fälle erreicht, bei der externen Gefäßligatur allenfalls in 85 %. Aufgrund der Rezidivfreudigkeit der Teleangiektasien ist auch die Dermoplastik nur von temporärem Erfolg. Ebenfalls ist das erneute chirurgische Vorgehen bei Rezidiven wegen der anatomisch veränderten Situation komplikationsträchtiger. So liegen denn auch die Mittelwerte der bei chirurgischen Intervention unzutreffenden Komplikationen bei 47 % und somit deutlich höher.

Hütten, R. (1), H. Urbach (2), E.K. Walther (1):
(1) Universitäts-HNO-Klinik Bonn; (2) Abteilung für Neuroradiologie der Radiologischen Klinik der Universität Bonn, Laryngo-Rhino-Otologie 74 (1995), in Druck.