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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Nasennebenhöhlen entwickeln sich bei Säugetieren aus biomechanischen Gründen zum Volumenausgleich zwischen Neuro- und Viszerokranium. Auch beim Menschen kommt diesen pneumatisierten Kammern im Gesichtsschädel eine aktive Funktion nicht zu. Sie spielen allenfalls eine Rolle als Resonanzräume für die Stimme bei Sprache und Gesang. Damit die Nasennebenhöhlen „gesund“ bleiben, müssen Ventilation und Drainage über die ostiomeatalen Verbindungen zur Nasenhaupthöhle gesichert sein. Obstruktionen dieser nasoantralen Verbindungen führen akut schon in Minuten- bis Stundendauer infolge resorbtiver Leistung der auskleidenden Mukosa zu Veränderungen des gasförmigen Inhaltes und damit zu Veränderungen des Biotops für mikrobielle Besiedlung. Bei chronischen Belüftungsstörungen entwickeln sich in Zeitabhängigkeit zunehmend morphologische Veränderungen der Schleimhaut. Akute Obstruktionen der ostiomeatalen Strecken gehorchen zuverlässig schleimhautabschwellenden Maßnahmen. Haben sich unter chronischen Belüftungsstörungen morphologische Schleimhautveränderungen entwickelt, müssen konservative Therapieschritte zwangsläufig erfolglos bleiben (1).
Als biologischer Indikator für eine gestörte nasale und damit nasosinusäre Ventilation haben sich die morphologischen Schleimhautveränderungen in den Nebenhöhlen erwiesen (2). Dieses ist mit bildgebender Diagnostik (Übersichtsaufnahmen om / of; CT coronar) sicher fassbar. Spezialfragen können endoskopisch (Sinuskopie) geklärt werden. Der Ultraschall ist wegen Totalreflexion an Luft sehr limitiert aussagefähig.
Das Spektrum morphologischer Schleimhautveränderungen ist breit. In chronisch katarrhalisch entzündeter Schleimhaut finden sich Becherzellhyperplasie, Verarmung an tubuloalveolären Drüsen, Verdickung der Basalmembran, submuköse Ödeme, zellige Infiltrationen und sogar ostitische Veränderungen. Polypen sind Proliferationen mit Stromaentvvicklung, eigenem Gefäßbaum und defektem Epithelüberzug (3). Sie sind Zonen gestörter immunologischer Abwehr. Wesentlich ist die Feststellung, dass sich unter wiederhergestellter Ventilation katarrhalische Veränderungen als (weitgehend) rückbildungsfähig, Polypen dagegen als irreversible Veränderungen erweisen (1).
Aus den letzten 20 Jahren, vornehmlich durch die Grazer Schule (Messerklinger (4)), stammen weitere Grunderkenntnisse zur Nebenhöhlenphysiologie bzw. -pathologie, nämlich:
Aus diesen pathophysiologischen und pathomorphologischen Kenntnissen ergibt sich ein klares Konzept für die aktuelle Nasennebenhöhlenchirurgie:
Die eigene Arbeitsgruppe gab zwar initiale Anregung zur endoskopisch gestützten Nasennebenhöhlenchirurgie (5). Aktuelle Nebenhöhlenchirurgie ist aber nicht gebunden an Endoskop oder Mikroskop, sondern verlangt in erster Linie Beachtung der oben skizzierten biologischen Zusammenhänge, unabhängig, ob optische Hilfen benutzt werden oder nicht.