HNO Klinik Bonn > Forschung > Publikationen > Klinisch Praktische Informationen

Klinisch-Praktische Informationen 4, 1 (1997)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Rhinochirurgie: Postoperative Therapie

Regeln und Empfehlungen zur postoperativen Nachsorge ergeben sich aus den Besonderheiten der Region des operativen Eingriffes, der Tatsache einer Wundsetzung, der Art und dem Umfang des Eingriffs und dem Befinden des Patienten. Somit ist aus biologischer und damit qualitätssichernder Notwendigkeit postoperative Nachsorge zunächst Aufgabe des Operateurs. Diese Zusammenhänge sind ausführlich diskutiert ( z.B. Europ. Arch. Oto-Rhino-Laryngol., Suppl. 1992/11, 346).
Bei rhinochirurgischen Eingriffen zielen prä-, intra- und postoperative Maßnahmen synergistisch auf Sicherung des operativen Resultates und Vermeidung postoperativer Komplikationen und Beschwerden.

Formsicherung: Die operativ erreichte Form des Septums wird durch Spina- sowie Matratzennähte aus resorbierbarem Material gesichert. Diese Fäden brauchen also nicht entfernt zu werden.
Bei Rhinoplastiken legen wir seit Jahren äußere Gipsschienen nur noch sehr selten an, vielmehr wird die mobilisierte und korrigierte Nasenpyramide im Sinne eines Fixateur interne durch paraseptal gelegte Silastik-Folien für 2-3 Wochen gestützt. Diese können ohne weiteres nach Entfernen von Haltefäden ambulant gezogen werden. Bei Nasenrückenkorrekturen schützt ein Papierpflasterverband (4 - 5-schichtig) für 7 - 10 Tage die neue Form.

Vermeiden von Komplikationen (Schleimhautblutung, Septumhämatom und lnfekte): Rhinochirurgie findet im primär kontaminierten Areal statt. Präoperativ wird der Bereich der Inzision im Vestibulum nasi desinfiziert. Antibiotische Abdeckung ist bei Septumplastiken perioperativ (eine Gabe vor Schnittsetzung, eine Gabe postoperativ) ausreichend. Bei Rhinoplastiken empfehlen wir antibiotische Gabe für 7 Tage bzw. bis zur Entfernung von endonasalen Stützfolien.
Zur Vermeidung von Nachblutungen bzw. Hämatomen sind präoperativ Acetylsalizylsäure-haltige Präparate wenigstens zwei Wochen zuvor abzusetzen. Entscheidend sind zur Hämatomprophylaxe jedoch intraoperative Schritte. Muschelreduktionen werden elektro- bzw. laserchirurgisch vorgenommen oder nach strichförmigem Quetschen (dadurch gezielte Intimaläsionen) durch Schnittresektion ausgeführt. Unter diesen Konditionen sind Tamponaden nicht erforderlich, die für die Patienten stark belästigend sind. Intraseptale Blutungen werden durch exakte subperichondrale bzw. -ostale Präparation von vornherein vermieden, gegebenenfalls kann bei ausgedehnten Operationsflächen Fibrinkleber eingesetzt werden. Matratzennähte und paraseptale Folien helfen zusätzlich.

Postoperative Lokalpflege: Die Heilung der Schleimhautwunden dauert ca. 3 Wochen. In dieser Zeit sind Sekret- und Borkenbildungen zu beseitigen bzw. zu vermeiden. Häufiges und gezieltes Absaugen wird durch Schleimhautabschwellung und Salbenpflege ergänzt. Topische Kortikoide reduzieren Granulationsbildung (bis zu 4 Wochen). Bei Rhinoplastiken sind systemische Kortikoid-Gaben in angemessener Verordnung durchaus indiziert.

Postoperative Beschwerden: Septum- und Rhinoplastiken nach neuzeitlichen Regeln ausgeführt bewirken postoperativ kaum subjektive Beschwerden des Patienten. Bei sorgfältiger Lokalpflege ist die Nasenventilation schon von Anfang an kaum und bald nur noch wenig beeinträchtigt. Schmerzen sind nicht die Regel. Wenn Sie auftreten, sind peripher angreifende Anaigetika oder nichtsteroidale Antiphlogistika völlig ausreichend.

Der postoperative Verlauf nach Septum- und Rhinoplastiken wird vornehmlich durch die Endoskopie kontrolliert. Bildgebende Diagnostik (Übersichtsaufnahmen; CT) ist frühestens nach 6 Monaten sinnvoll (nach zusätzlicher Nebenhöhlenrevision erst nach 12 Monaten), da restliche Schwellungen und Sekretauflagerungen Fehldarstellungen bedingen. Mikrobiologische Abstriche sind nur sinnvoll, wenn konkrete Sekretstraßen vorliegen. Rhinochirurgie findet in den Hohlraumsystemen der oberen Luftwege statt. Die postoperative Nachsorge setzt besondere Erfahrung mit dem operativen Vorgehen, der Anatomie und Physiologie des Areals sowie technische Ausstattung und Fertigkeit voraus.

C. Herberhold:
Nachbehandlung nach Operationen am Nasenseptum und den Nasenmuscheln. Jahrestagung der oto-laryngologischen Gesellschaft zu Berlin, Universitätsklinikum Charité, Berlin, 07.12.1996)