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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Regeln und Empfehlungen zur postoperativen Nachsorge ergeben sich aus den Besonderheiten
der Region des operativen Eingriffes, der Tatsache einer Wundsetzung, der Art
und dem Umfang des Eingriffs und dem Befinden des Patienten. Somit ist aus biologischer
und damit qualitätssichernder Notwendigkeit postoperative Nachsorge zunächst
Aufgabe des Operateurs. Diese Zusammenhänge sind ausführlich diskutiert
( z.B. Europ. Arch. Oto-Rhino-Laryngol., Suppl. 1992/11, 346).
Bei rhinochirurgischen Eingriffen zielen prä-, intra- und postoperative
Maßnahmen synergistisch auf Sicherung des operativen Resultates und Vermeidung
postoperativer Komplikationen und Beschwerden.
Formsicherung: Die operativ erreichte Form des Septums wird durch Spina-
sowie Matratzennähte aus resorbierbarem Material gesichert. Diese Fäden
brauchen also nicht entfernt zu werden.
Bei Rhinoplastiken legen wir seit Jahren äußere Gipsschienen nur
noch sehr selten an, vielmehr wird die mobilisierte und korrigierte Nasenpyramide
im Sinne eines Fixateur interne durch paraseptal gelegte Silastik-Folien für
2-3 Wochen gestützt. Diese können ohne weiteres nach Entfernen von
Haltefäden ambulant gezogen werden. Bei Nasenrückenkorrekturen schützt
ein Papierpflasterverband (4 - 5-schichtig) für 7 - 10 Tage die neue Form.
Vermeiden von Komplikationen (Schleimhautblutung, Septumhämatom und
lnfekte): Rhinochirurgie findet im primär kontaminierten Areal statt.
Präoperativ wird der Bereich der Inzision im Vestibulum nasi desinfiziert.
Antibiotische Abdeckung ist bei Septumplastiken perioperativ (eine Gabe vor
Schnittsetzung, eine Gabe postoperativ) ausreichend. Bei Rhinoplastiken empfehlen
wir antibiotische Gabe für 7 Tage bzw. bis zur Entfernung von endonasalen
Stützfolien.
Zur Vermeidung von Nachblutungen bzw. Hämatomen sind präoperativ Acetylsalizylsäure-haltige
Präparate wenigstens zwei Wochen zuvor abzusetzen. Entscheidend sind zur
Hämatomprophylaxe jedoch intraoperative Schritte. Muschelreduktionen werden
elektro- bzw. laserchirurgisch vorgenommen oder nach strichförmigem Quetschen
(dadurch gezielte Intimaläsionen) durch Schnittresektion ausgeführt.
Unter diesen Konditionen sind Tamponaden nicht erforderlich, die für die
Patienten stark belästigend sind. Intraseptale Blutungen werden durch exakte
subperichondrale bzw. -ostale Präparation von vornherein vermieden, gegebenenfalls
kann bei ausgedehnten Operationsflächen Fibrinkleber eingesetzt werden.
Matratzennähte und paraseptale Folien helfen zusätzlich.
Postoperative Lokalpflege: Die Heilung der Schleimhautwunden dauert ca. 3 Wochen. In dieser Zeit sind Sekret- und Borkenbildungen zu beseitigen bzw. zu vermeiden. Häufiges und gezieltes Absaugen wird durch Schleimhautabschwellung und Salbenpflege ergänzt. Topische Kortikoide reduzieren Granulationsbildung (bis zu 4 Wochen). Bei Rhinoplastiken sind systemische Kortikoid-Gaben in angemessener Verordnung durchaus indiziert.
Postoperative Beschwerden: Septum- und Rhinoplastiken nach neuzeitlichen Regeln ausgeführt bewirken postoperativ kaum subjektive Beschwerden des Patienten. Bei sorgfältiger Lokalpflege ist die Nasenventilation schon von Anfang an kaum und bald nur noch wenig beeinträchtigt. Schmerzen sind nicht die Regel. Wenn Sie auftreten, sind peripher angreifende Anaigetika oder nichtsteroidale Antiphlogistika völlig ausreichend.
Der postoperative Verlauf nach Septum- und Rhinoplastiken wird vornehmlich durch die Endoskopie kontrolliert. Bildgebende Diagnostik (Übersichtsaufnahmen; CT) ist frühestens nach 6 Monaten sinnvoll (nach zusätzlicher Nebenhöhlenrevision erst nach 12 Monaten), da restliche Schwellungen und Sekretauflagerungen Fehldarstellungen bedingen. Mikrobiologische Abstriche sind nur sinnvoll, wenn konkrete Sekretstraßen vorliegen. Rhinochirurgie findet in den Hohlraumsystemen der oberen Luftwege statt. Die postoperative Nachsorge setzt besondere Erfahrung mit dem operativen Vorgehen, der Anatomie und Physiologie des Areals sowie technische Ausstattung und Fertigkeit voraus.