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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Nach einer Tonsillektomie sind in Deutschland über 90% der Patienten incl. Aufnahme- und Entlassungstag 7 bis 8 Tage stationär untergebracht. Im Ausland (einige Staaten Europas; USA) werden postoperative Aufenthalte von 12 -24 oder 48 h als vertretbar angesehen. Die wesentliche postoperative Komplikation nach einer Tonsillektomie ist die Nachblutung, die in Mehrheit der Quellen zwischen 2 und 10% der Operationen schwankt. Der 5. postoperative Tag ist durch die höchste Rate belastet. In Deutschland werden pro Jahr 8 Todesfälle durch Posttonsillektomieblutungen bekannt.
Vor diesem Hintergrund fand im Rahmen der 70. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf-Hals-Chirurgie vom 12.-15.05.1999 eine Podiumsdiskussion mit Teilnehmern aus Deutschland, Belgien, Spanien, und Norwegen statt. Die Diskussion ergibt eindeutig:
Resümee: Wenn Politik und Kostenträger Kurzzeitaufenthalte nach Tonsillektomie fordern, folgen sie nicht biologischen Gegebenheiten, sondern ökonomischen Zielsetzungen auf Kosten und unter Gefährdung der Patienten. Eine sachgerechte, d.h. medizinisch-ärztliche Lösung der Konflikte kann es nur unter konsequenter Beachtung des Patientenwohles geben. Dabei sind die Krankengeschichte, die persönliche Situation (Single-Haushalt, Wohnortdistanz u.a.) und die Möglichkeiten der postoperativen ärztlichen Observanz zu werten und zu berücksichtigen.
Prästationäre Untersuchungen und Indikationsüberprüfungen sowie die operative Technik zur Tonsillektomie werden ärztlicherseits ausgeschöpft bzw. sind nicht mehr zu verbessern.
Von ärztlicher Seite werden Fürsorgedefizite den Patienten gegenüber durch Politik und Kostenträger auch in Zukunft und auch in der Öffentlichkeit so lange angeprangert werden, bis eine medizinisch-orientierte und vertretbare Liegezeitregelung gefunden ist. Bislang sind lediglich die Ärzte Interessenvertreter der Patienten.