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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Das Bougieren von Stenosen in den schlauchförmigen Hohlorganen des Körpers wird zwar klinisch seit langen Zeiten vorgenommen, ist aber bis zur Gegenwart hochproblematisch geblieben. Grund ist, daß während der Bougierung an nicht vorherzusehenden Stellen Rupturierungen auftreten können, wodurch das bougierende Instrument via falsa geführt wird oder Fistulationen mit gravierenden Folgen entstehen. Dies gilt insbesondere für Oesophagus- und Trachealstenosen.
Die Oesophagotomia interna des 19. Jahrhunderts hat sich wegen häufiger und hochgradiger Komplikationen nicht durchsetzen können. Die zugrundeliegende Idee wurde an der Bonner HNO-Klinik in eigener Modifikation wieder aufgegriffen. In gebrauchsübliche Eder-Puestow-Dilatatoren wurden sternförmig Skalpellklingen eingelassen, die den Dilatationskörper um 1-2 mm überragen. Auf diese Weise wird die stumpfe Dilatation in eine Schnitt-Ritz-Bougierung umgewandelt. Unkontrollierte Gewebszerreißungen wie bei stumpfer Bougierung unterbleiben. Stenosierungen werden durch oberflächliche Inzisionen aufgelockert und schichtweise gänzlich überwunden, ohne daß Gewebszerreißungen und Mediastinaleröffnungen entstehen. Der Vorgang der oberflächlichen Inzisionen ist selbstlimitierend, da bei nachlassender Stenosespannung der Schneidevorgang ausbleibt.
Zwischen 1985 und 1992 wurden 62 scharfe Oesophagusbougierungen durchgeführt. Kurz- und Langzeitverläufe wurden jetzt nachverfolgt. In der Ursachenanalyse der Stenosen stehen postoperative Zustände nach operativer Karzinombehandlung an vorderster Stelle. Die meisten Stenosen sind zirkulär (73 %). Sie verursachen erwartungsgemäß dysphagische Beschwerden bis zur Schluckunfähigkeit, zum Teil sogar mit sekundären Aspirationen. Die Stenoselänge erreichte in einigen Fällen 9 und mehr cm (!!). Das Restlumen betrug bei den meisten Patienten 0,3 - 0,5 cm.
Die Mehrzahl der Patienten (27/40) war nach nur einer Bougierung beschwerdefrei. 1 Patient wurde bis zu 5 mal scharf dilatiert. In der Regel wird postoperativ (53 %) die Selbstbougierung mit Gummistab verordnet bis zur Konsolidierung des neuen Oesophaguslumens. In einigen Fällen wurde ein temporärer Stent eingelegt. Komplikationen traten nur bei einem Patienten auf, die nach adäquater Versorgung beschwerdefrei abheilten.
Die sog. scharfe Dilatation ist mittlerweile ein vertrautes minimal-invasives endoskopisches Verfahren geworden und nach Indikationsaufklärung fester Bestandteil der Stenosetherapie in Hypopharynx, Ösophagus und auch der Trachea.