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Klinisch-Praktische Informationen 4, 2 (1993)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Obstruktive Tränenwegserkrankungen

Entscheidende Voraussetzung für eine saubere lndikationsstellung und für die Konzeption des chirurgischen Vorgehens ist eine angemessene lokalisierende und funktionelle Diagnostik bei obstruktiven Tränenwegserkrankungen.

Primäre Störungen der Tränenproduktion, -sekretion und -verteilung werden durch ophthalmologisches Konsil ausgeschlossen. Die weitere Diagnostik und schließlich die operative Therapie werden HNO-ärztlicherseits realisiert. Überlegene Methode zur Sicherung der Lokalisation und des Ausmaßes einer Tränenwegsstenose ist die digitale Subtraktionsdakryozystographie. Hierdurch läßt sich die störende Strukturüberlagerung des Mittelgesichtsskeletts ausschalten.

Nach Kontrastmittelinjektion über genau plazierte Mikrokatheter können durch diese Untersuchung präsaccale, saccale, postsaccale und funktionelle Tränenwegsstenosen sicher voneinander getrennt werden. Präsaccale Stenosen sind meist traumatischer Genese und werden durch die vollständige Stenosierung mit Kontrastmittelreflux erkennbar. Bei isolierten Stenosen des unteren Kanalikulus muss zusätzlich über den oberen Kanalikulus sondiert werden, um die Durchgängigkeit des übrigen ableitenden Systems zu dokumentieren. Saccale Stenosen sind meist postentzündlicher Natur. Sie zeigen Kaliberschwankungen mit Randunregelmäßigkeiten und Distorsionen. Bei vollständigen postsaccalen Stenosen ist die fehlende Kontrastmittelentleerung mit einer prästenotischen Dilatation des Tränensackes beweisend.

In unserer Klinik werden nach dieser Diagnostik bei postsaccalen Stenosen endonasale Dakryozystorhinostomien nach VEIS-CLAUS unter gleichzeitiger Kontrolle und im Bedarfsfalle endoskopisch gestützter, operativer Sanierung der Nasennebenhöhlen vorgenommen. Bei präsaccalen Stenosen kann der Eingriff gegebenenfalls mit einer Kanalikulorhinostomie und einer inneren Schienung der Tränenkanälchen mit passager endonasal befestigten Silikonröhrchen kombiniert werden.

Nachuntersuchungen lassen in 85 - 87% eine dauerhafte Verbesserung des Tränenabflusses auch bei jahrelanger Nachbeobachtung erkennen.

Walther, E.K.:
Digitale Subtraktionsdakryozystographie bei obstruktiven Tränenwegserkrankungen und ihrer operativen Behandlung nach Veis-Claus. Otorhinotaryngol. Nova 1991;1:233-241