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Klinisch-Praktische Informationen 4, 2 (1994)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Chordotomie in der Behandlung des beidseitigen Stimmlippenstillstandes

Der beidseitige Stimmlippenstillstand führt zu unterschiedlich stark ausgeprägter inspiratorisch stridoröser Atmung mit Dyspnoegraden, die selbst in Ruhe Ventilationsschwierigkeiten zur Folge haben können. In der Larynxchirurgie ist eine Vielzahl von operativen Maßnahmen zur Glottiserweiterung beschrieben worden, die alle durch die Konkurrenz von verbesserter Atmung und Stimmgebungsmöglichkeit gekennzeichnet sind. Je besser die Ventilation, desto schlechter ist in der Regel die Stimmbildung.

In den vergangenen Jahren war die Kraniolateralfixation einer der beiden fixierten Stimmlippen in unserer Klinik bevorzugtes Verfahren mit guten Resultaten sowohl für Stimme als auch für Atmung. Vor kurzem wurde im Schrifttum alternativ die Möglichkeit einer Chordotomie (Abtrennung einer Stimmlippe vom Aryknorpel) beschrieben (Kashima). Nach persönlicher Kontaktaufnahme mit dem Autor führen wir seit zwei Jahren in der Klinik die einseitige Chordotomie bei doppelseitigem Stimmlippenstillstand durch.

Gegenwärtig ergibt sich folgende Bilanz: In 75% der Fälle ist die einseitige Abtrennung einer paretischen Stimmlippe vom bewegenden Larynxskelett für den Patienten mit befriedigendem Erfolg hinsichtlich Stimme und Atmung durchführbar. Die abgetrennte Stimmlippe zeigt eine Kontraktionsverkürzung, wodurch sie an Volumen gewinnt und zum Partnerkontakt mit der gegenüberliegenden Seite kommt. Der dorsal entstehende Ventilationsraum ist ausreichend für die Atmung bis zu mittelgradigen körperlichen Belastungen. Bei dem restlichen Viertel des Kollektivs mußten Wiederholungseingriffe durchgeführt werden.

Durch diese Bilanz wurden wir veranlaßt, die laserchirurgisch endoskopisch geführte Operation zu modifizieren. Die Schnittführung erhält jetzt nicht nur einen arytenoid-trennenden Charakter, sondern löst auch das Stimmlippenmassiv vom angrenzenden Schildknorpel. Auf diese Weise können Neuverwachsungen ganz oder weitgehend vermieden werden, so daß sich unter dieser modifizierten Technik die Ergebnisbilanz verbessert hat.

Insgesamt ist die endolaryngeal-endoskopische, laserchirurgisch ausgeführte modifizierte einseitige Chordotomie ein für den Patienten kaum belastendes Verfahren geworden, mit dem beidseitig irreversibel stillstehende Stimmlippen mit sehr gutem Effekt behandelt werden können.

Herberhold, C.:
4. Laser-Tagung der Kieler Univ.-Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie 14. - 16.01.1994