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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Im Körper des Erwachsenen verstecken sich etwa 1000 Lymphknoten. Von diesen finden wir mindestens 300 im Kopf-Hals-Bereich. Charakteristischerweise häufen sich die Lymphknoten in den Bereichen der Körperöffnungen, da, wo der Organismus in biologischer Auseinandersetzung mit der Umwelt steht. Dabei ordnen sich regionäre Knotengruppen ihren Quellgebieten zu. In die Netze und Stränge der Lymphgefäße eingegliedert sind die Lymphknoten Erkennungs- und Verarbeitungsstationen für eingedrungene Fremdstoffe. In den Maschen der Sinus, Follikel und Zellen verlangsamt die eingeflossene Lymphe ihre Strömungsgeschwindigkeit und ermöglicht Phagozytose und molekularchemische Reaktionen. Zervikale Lymphknoten werden ab einem Volumen von etwa 1 ml palpabel. In manchen Regionen, so z.B. im jugulofacialen Winkel, sind sie von Haus aus größer. Größe allein ist aber kein pathologisches Merkmal. Die Palpation bleibt Basisuntersuchung. Dabei ist auf Verwechslungsmöglichkeiten zu achten (Carotisbulbus; Querfortsatz 1. Halswirbel; kutane und subkutane Tumorbildungen u.a.). Darüber hinaus ist die bildgebende Diagnostik unverzichtbar, bei der die Sonographie in Klinik und Praxis bevorzugte Rolle spielt und für Verlaufsbeobachtungen besonders wertvolle Aussagen ermöglicht. Bilder im B-Mode können durch farbkodierte Duplex-Darstellungen ergänzt werden. Vornehmlich in der Onkologie sind CT und MRT unverzichtbar. Zwar ist eine Artdiagnose aus Strukturveränderungen der Lymphknoten nicht möglich, aber bestimmte bildmorphologische Kriterien geben hinsichtlich Qualität, Quantität und Topographie Aussagen mit hoher Treffsicherheit. Die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) hat in den letzten Jahren bei sorgfältiger Technik für den Kopf-Hals-Bereich einen hohen Stellenwert erreicht. Ihre malignitätstypischen Speicherungsgradienten geben sehr wertvolle Befunde bei Fernmetastasen, CUP-Syndrom und Rezidivsuche. Entscheidend bleibt die feingewebliche Diagnostik. Analysen von Punktionsmaterial sind allenfalls nur bei erkrankungspositiver Aussage verwertbar, wobei die Feinnadelbiopsie an erfahrene zytologische Interpretation gebunden ist, während die Stanzbiopsie histologische Aufarbeitung gestattet. Beide Verfahren mit Kritik eingesetzt helfen in der prästationären Arbeit Zeit einzusparen, können aber die Exstirpation verdächtiger Lymphknoten mit histologischer Schnittuntersuchung sowie ggf. immunhistologischer und -zytologischer Technik nicht ersetzen. Keilbiopsien sind obsolet. Es gilt der Grundsatz nach wie vor, daß ein suspekter Lymphknoten komplett ausgeschält wird. Der Gesamtlymphknoten gibt ein Spiegelbild der Erkrankung im zugehörigen Quellgebiet ab. Das gilt für entzündliche Prozesse in gleicher Weise wie für onkologische Situationen. Die Therapie der Lymphknotenerkrankung richtet sich naturgemäß an den Behandlungsregeln der Grund- pathologie aus. Bakterielle Entzündungen reagieren auf Antibiotika, virale erfordern ggf. Titerkontrollen und antibiotischen Schutz gegen Superinfektionen. Abszedierungen werden operativ angegangen. Spezifi- sche Lymphknotenentzündungen - insbesondere die Tuberkulose - erfordern genaue Ganz- Körperdiagnostik und konsequente medikamentöse, ggf. auch operative Therapie. Im onkologischen Bereich ist im Falle der malignen Lymphome der HNO-Arzt in der Regel der diagnostische Zuträger für die internistische Weiterbehandlung, da sich etwa 80% dieser Erkrankungen vornehmlich nodal primär im Kopf-Hals-Bereich manifestieren. Auch hier kann nur die Exstirpation eines suspekten Lymphknotens dem Pathologen die Voraussetzung bieten, eine genaue Diagnose zu stellen. Für die Dynamik der Karzinomerkrankung gilt prinzipiell, daß vom Zeitpunkt 0 der Krebsentwicklung Metastasierung stattfindet. Lymphknotenabsiedlungen gehören somit von Anbeginn an zur Erkrankung und damit zur Therapie. Die konsequente wissenschaftliche Bearbeitung und klinische Analyse des zervikalen Lymphsystems mit seinen Gefäßen und Knoten hat schon sehr früh therapeutische Erfolge erzielen lassen. Gegenwärtig verhilft die Einteilung der Halslymphknoten in Regionen (Level) zur Aufstellung präziser Konzepte der Neck dissection. Orientierung an folgenden Regeln verhilft dem Arzt zu angemessenem Verhalten hinsichtlich Diagnostik und Therapie bei Lymphknotenaffektionen