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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Anamnese: Bei einem 59- jährigen Patienten wird im Rahmen einer gastroenterologischen Untersuchung der Verdacht auf ein glottisches Larynxkarzinom geäußert. Bei der Erstvorstellung in unserer Klinik berichtet der Patient über eine seit 6 Wochen bestehende Heiserkeit. Er habe keinen Infekt der oberen Luftwege gehabt, ein Nikotinabusus bestünde nicht. Schluckbeschwerden und Gewichtsverlust werden vom Patienten verneint.
Befunde: Bei der indirekten Laryngoskopie zeigt sich im hinteren Drittel der linken Stimmlippe ein mehrhöckriger Tumor, der bis an die Taschenfalte reicht. Die übrigen HNO - ärztlichen Untersuchungsbefunde sind unauffällig. Die Lungenfunktionsprüfung ergibt normale Werte.
Therapie: Bei der durchgeführten Mikrolaryngoskopie zeigt sich im Bereich der linken Stimmlippe oberhalb und ventral des Processus vocalis ein mehrhöckriger, von glatter Schleimhaut überzogener Tumor, der bei instrumenteller Palpation von derber Konsistenz erscheint (Abb. 1). Zur histologischen Aufarbeitung wird der Tumor mit dem CO2 - Laser komplikationslos aus dem umliegenden Weichgewebe ausgeschält.
Diagnose und Verlauf: Die pathologisch - anatomische und histologische Begutachtung ergibt eine ausgeprägte noduläre, epitheloidzellig-granulomatöse Entzündung mit Uratablagerungen. Der Befund entspricht einem Gichtknoten (Abb. 2). Die laborchemische Bestimmung der Harnstoff-Konzentration im Serum liefert einen Wert von 112 mg/dl (Norm: 11-54 mg/dl). Durchgeführte Röntgenübersichtsaufnahmen der distalen Extremitäten und eine internistische Untersuchung blieben ohne Anhalt für weitere Manifestationen der Gicht. Unter einer diätetischen und medikamentösen Behandlung lebt der Patient seither beschwerdefrei und normourikämisch. Bei postoperativ durchgeführten klinischen Kontrollen zeigen sich seit Abschluß der Wundheilung regelrechte laryngeale Verhältnisse ohne Anhalt für erneute Manifestation der Gicht.
Abb. 1: Stimmlippentumor unter mikrolaryngoskopischer Betrachtung
Abb. 2: Histologisches Schnittbild mit Abbildung doppeltbrechender Uratkristalle umgeben von einem epitheloidzelligen histiozytären Infiltrats (HE, 16-fach)
Diskussion: Gicht ist eine Störung im Purin-Metabolismus. In westlichen Industrieländern besteht bei ca. 11% der Bevölkerung eine hyperurikämische Stoffwechsellage. Allerdings bieten nur 5% dieser Patienten klinische Zeichen der Gicht. Häufigste Manifestation ist eine monoarthrikuläre Gichtarthritis, die meist das erste Metatarsophalangeal-Gelenk befällt. Das Auftreten solcher Gichttophi ist als Zeichen einer lange vorbestehenden hyperurikämischen Stoffwechsellage anzusehen.
Die Diagnose der Gicht wird üblicherweise durch die mikroskopische Untersuchung von Synovialflüssigkeit aus dem befallenen Gelenk gestellt mit dem Nachweis doppeltbrechender Uratkristalle und einer granulomatösen Entzündung. Gichttophi im Kopf-Hals Bereich sind sehr selten. Es ist über einige auch laryngeale Fälle berichtet worden. Die Beschreibung einer ausschließlich laryngealen Manifestation ohne arthritische Beschwerden liegt bislang nicht vor.