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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Die bisher üblichen elektrophysiologischen Untersuchungsmöglichkeiten des N. facialis erfassen bei einer Funktionsstörung lediglich indirekte myogene Reaktionen. Dieses gilt sowohl für den Nervenerregbarkeitstest, die Neuronographie als auch für die Myographie. Auch bei der transkraniellen Magnetstimulation, bei der die Erregung proximal des Defektes erfolgt, werden myogene Reaktionen erfasst. Eine direkte Untersuchung auf neuraler Ebene ist bislang klinisch nicht bekannt geworden. Die antidrome Fazialisreizung hat durch ein differenziertes elektrophysiologisches Verfahren im eigenem Labor die Möglichkeit erbracht, den Funktionszustand des N. facialis über die Defektstrecke im intratemporalem Verlauf bei peripherer Reizung und zentraler (Skalp) elektrischer Ableitung mit Rechnern zu erfassen.
Die Ableitung der Reizantworten erfolgt über Elektroden auf der Haut am Hinterkopf und am kontralateralen Mastoid. Probleme der antidromen Fazialisreizung, die durch Reizartefakt, Gewebeaufladung und myogener Überlagerung entstehen, können unter Verwendung spezieller elektronischer Verstärker bei optimierter Reiz-Ableitgeometrie und nachträglicher Filterung durch Methoden der Nachrichtentechnik gelöst werden. Bei transkutaner Reizapplikation nahe des Foramen stylomastoideum mit supramaximalen, alternierenden Rechteckimpulsen von 0,2 ms Dauer und einer Reizfolgefrequenz von 1 Hz lässt sich im Mittelungsverfahren ein Potential mit einer Latenzzeit von 3 ms ableiten. Die antidrome Reizleitungsgeschwindigkeit liegt zwischen 50 und 60 m/s, so dass der Generator für das antidrom evozierte Potential im Bereich des Hirnstammes vermutet werden kann. Nach Durchtrennung des N. facialis proximal des Reizortes ist ein antidrom evoziertes Potential nicht mehr ableitbar. Bei erhaltener Kontinuität bzw. unvollständiger Läsion mit kompletter oder inkompletter Parese ist das abzuleitende Potential in Amplitude und Latenzzeit beeinträchtigt. Die Ableitbarkeit solcher Potentiale lässt jedoch immer den Ausschluss eines Kontinuitätsverlustes zu. Verlaufskontrollen an Patienten mit klinisch kompletter Fazialisparese unterschiedlicher Ätiologie zeigen, dass mit der Neuronographie nur eine verzögerte Prognosestellung möglich ist, da die axonale Degeneration zum elektrophysiologischen Nachweis distal fortschreiten muss. Die antidrome Fazialisreizung hingegen signalisiert sofort den Zustand des neuromuskulären Systems. Während der Nachweis einer antidrom erregten Antwort auch im akutem Stadium zuverlässig eine günstige Prognose anzeigt, weist das Fehlen einer antidrom evozierten Antwort auf eine ungünstige Prognose hin.