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Klinisch-Praktische Informationen 4, 3 (1995)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Unspezifische Lymphknotenentzündungen des Halses (Synonym: Lymphonodulitis cervicalis)

Klinik: Im akuten Stadium ist der medullär geschwollene Lymphknoten typischerweise weich und dolent, bei subakutem und chronischem Verlauf läßt die akute Schmerzhaftigkeit bei der Palpation nach, die Konsistenz des Lymphknotens nimmt durch Infiltration und Kapselverdickung bis mäßig derb zu. Schlechte Verschieblichkeit eines Knotens oder ein Weichteilödem sprechen für eine perifokale Reaktion. Bei schwerem Krankheitsverlauf kann die darüberliegende Haut entzündlich gerötet und überwärmt sein bis hin zur Ausbildung von Phiegmone und Abszeß. Aufgabe des Lymphknotens ist es, in den Organismus eingedrungene Krankheitserreger oder Fremdstoffe aufzuhalten, abzufangen oder biologisch unschädlich zu machen, wobei der Lymphknoten mit seiner Zellpopulation in einer ihm eigenen Weise reagiert. Hierbei kann jedoch eine Spezifität ohne Erregernachweis aus dem morphologischen Bild nicht immer abgeleitet werden, d.h. mikrobiologische Entzündungen rufen unspezifische Lymphknotenreaktionen hervor, wenn man von den sogenannten spezifischen Entzündungen (Tuberkulose, bestimmte virale Infekte o.ä.) absieht.

Als Sekundärentzündungen unterscheiden sich Lymphonodulitiden klinisch nicht voneinander, so dass aus ihrem Vorhandensein nicht auf die Art, allerdings aufgrund der anatomischen Bezüge auf den Ort der ursächlichen Erkrankung geschlossen werden kann. Kinder bis zehn Jahre sind etwa zehnmal häufiger betroffen als Erwachsene. Ein zweiter Manifestationsgipfel liegt im 6. bzw. 7. Lebensjahrzehnt.

Klinik: Im akuten Stadium ist der medullär geschwollene Lymphknoten typischerweise weich und dolent, bei subakutem und chronischem Verlauf läßt die akute Schmerzhaftigkeit bei der Palpation nach, die Konsistenz des Lymphknotens nimmt durch Infiltration und Kapselverdickung bis mäßig derb zu. Schlechte Verschieblichkeit eines Knotens oder ein Weichteilödem sprechen für eine perifokale Reaktion. Bei schwerem Krankheitsverlauf kann die darüberliegende Haut entzündlich gerötet und überwärmt sein bis hin zur Ausbildung von Phiegmone und Abszeß.

Diagnose: Unspezifische zervikale Lymphonodulitiden lassen sich in den meisten Fällen als Satellitkrankheiten den Entzündungen ihrer Quellgebiete zuordnen. Bei der Suche nach einem entzündlichen Ausgangsherd vermag das topographische Korrelat der Lymphknotenlokalisation diagnostisch hinweisend zu sein (vgl. Tab. 1). Die Anamnese und die fachbezogene klinische Untersuchung sind demzufolge gründlich vorzunehmen. Man findet überwiegend entzündliche Primärherde im Bereich des Waldeyerschen Rachenrings sowie der Zähne und ihrer Lager. Eine Röntgenuntersuchung der Nasennebenhöhlen und des Thorax ist darüberhinaus obligat. Daneben ist jedoch immer auch halsfern nach Eintrittspforten, wie z.B. Verletzungen, Kratzspuren, Entzündungen oder parasitärem Befall der behaarten und unbehaarten Haut zu fahnden.

Therapie: Akute Lymphknotenentzündungen, die in einem erkennbaren Zusammenhang zu einem infektiösen Prozeß im tributären Areal stehen, sind nach den bekannten Regeln antibiotisch und/oder operativ zu behandeln. Kortikoide sind in schweren Fällen hilfreich. Ist eine Eintrittspforte nicht vordergründig zu erkennen, sollte sich die antibiotische Therapie auf längstens drei Wochen zeitlich begrenzen. In dieser Zeit sind Größe und Konsistenz des Ausgangsbefundes wöchentlich zu dokumentieren. Persistiert der Palpationsbefund trotz antibiotischer Behandlung bei erfolgter Herdsanierung im tributären Bereich, ist eine histologische Diagnose durch vollständige Knotenexstirpation herbeizuführen. Die Verantwortung, eine Lymphknotenschwellung in solchen Fällen zu bagatellisieren, wächst mit zunehmender Zeitdauer.

Tabelle 1 Tabelle 1: Topographische Zuordnung der Lymphknotenstationen im Kopf-Hals-Bereich
jugulofazial Mund, Tonsillen, Zähne, Zunge (hinterer Anteil), Zungengrund, Pharynx, Mundboden
retroaurikulär Gehörgang, Ohrmuschei, temporale Kopfhaut
präaurikulär laterale und frontale Kopfhaut, äußeres Ohr, seitliche Augenlider, obere Gesichtshälfte, Parotis
submandibulär, submental untere Gesichtshälfte, Lippen, Zähne, Zunge (vorderer Anteil und Rand), Nase, Speicheldrüsen
nuchal Haut von Kopf und Hinterkopf
obere (tiefe) zervikale Gruppe Sammeistelle für Abfluss aus dem gesamten Kopf- und kranialen Halsbereich
untere zervikale Gruppe (tiefe) kaudaler Halsbereich, Achsel, Arm, Thorax
Herberhold, C., E.K. Walther:
Lymphknoten des Halses Klinik der Entzündungen und der gutartigen Tumoren. In Naumann, H.H., J. Helms, C. Herberhold, E. Kastenbauer (Hrsg.): Oto-Rhino-Laryngologie in Klinik und Praxis. Band 3: Hals. Thieme, Stuttgart 1995, S. 213-219.