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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Die Behinderung des Nahrungsmitteltransportesvon der Mundhöhle in den Magen bezeichnet man als Dysphagie Schmerzhafte Beschwerdenlediglich beim Leerschlucken, die bei der Nahrungsaufnahme schwinden und in Belastungssituationenverstärkt sind, sowie begleitende Stimmveränderungen sind typisch füreinen Globus pharyngis. Die Diagnostik der Dysphagie besteht in Anamnese, klinischer und endoskopischerUntersuchung sowie Darstellung von Struktur und Funktion durch Bildgebung und elektrophysiologischeMeßverfahren.
Der Schlüssei zur Diagnose ist nachwie vor eine gründliche anamnestische Erhebung. Sie berücksichtigt vorausgegangene Operationen,Strahlenbehandlungen und Unfälle im Kopf-Hals-Bereich sowie Systemerkrankungen. Beachtung finden sollte eine präzise Medikamentenanamnese. Die Differenzierung zwischen Störungender Nahrungsaufnahme von festen oder flüssigen Speisen liefert wichtige Hinweise. EineFestkörperdysphagie deutet auf anatomisch-morphologische Veränderungen mit zunehmender Obstruktion hin.
Patienten mit oropharyngealer Dysphagie schildern Schwierigkeiten bei der Einleitung des Schluckaktes und häufiges Nachschlucken. Das klassische Hypopharynx-Divertikel ist in Befund undBechwerdekonstellation typisch. Morphologische Veränderungen der Halswirbelsäuleals Ursache von Schluckstörungen wie die diffuse idiopathischeSkeletthyperostose (Forestier)sind vergleichsweise selten. Häufiger sind funktionelle Störungen der Kopfgelenke mit Globus und Dysphonie. Typisch sind hoch lokalisierte Einschluckschwierigkeiten mit postdeglutitiver Linderung im Liegen. Beschwerden bei Aufnahme überwiegend flüssiger Nahrung können auf eine neurogene Dysphagiehinweisen. Solche Beschwerden sind überwiegend Verschlucken und Husten, nasaler Reflux, begleitende Stimmveränderungen, Erschöpfung beim Essen und allgemeine Veränderungder Körpermotorik. Die ösophageale Dysphagie wird im Rahmen der interdisziplinären Umfelddiagnostik vom Gastroenterologen abgeklärt. Hochsitzende Beschwerden können durchaus extrapharyngealeUrsachen bis hin zum Magenkarzinom haben. Meist findet sich ein schmerzhaftes Gefühldes Steckenbleibens von Speisen hinter dem Sternum verbunden mit Sodbrennen, Regurgitationund Erbrechen.Zu beachten ist neben einem pharyngealen Globus auch eine laryngealeoder bronchopulmonale Symptomatik bei der gastroösophagealen Refluxerkrankung. Grundlage der klinischen Untersuchungist die sorgfältige Inspektion von Nase, Mundhöhle und Oropharynx, die indirekte Laryngoskopiezur Beurteilung von Kehlkopf und Hypopharynx sowie eine Prüfung schluckrelevanter Hirnnerven. Wichtig ist die Erkennung eines Sekretstaus im Sinus piriformis evtl. mit Speiseresten. Bei einer Störung der Stimmlippenbeweglichkeft ist der protektive Glottisschluß mit Aspirationsgefahraufgehoben. Die Palpation von Mundhöhle und Zungengrund, Halslymphknoten und Schilddrüse kannweitere Hinweise geben. Endoskopische Untersuchungsverfahrenbedienen sich starrer und flexibler Optiken. Die Lupenlaryngoskopie erweitert die Möglichkeitender indirekten Spiegeluntersuchung. Die transnasale Pharyngo-Laryngo-Fiberendoskopie ist nützlichbei Patienten mit starkem Würgereiz. Mikrolaryngoskopie und Tracheoösophagoskopiesind als Narkoseuntersuchungen nicht nur ein Instrument der Diagnostik, sondern auchder Therapie. Im diagnostischen Stufenprogramm nehmen bildgebendeVerfahren den breitesten Raum ein. Zu unterscheiden sind statische und dynamischeTechniken. Statische Verfahren können im Einzelfall die Ätiologie einer organischen Dysphagieerklären, nicht jedoch deren funktionelle Ursachen. Hierfür sind dynamische Techniken wie Videofluoroskopieoder Kinematographie erforderlich. Nachgewiesene funktionelle Störungen erfordernzusätzliche elektrophysiologische Meßverfahren wie die Elektromyographie, die Computermanometrievon Pharynx und pharyngoösophagealem Übergang oder 24-Stunden-pH-Metrie. Der multifaktoriellen Vielfalt des Symptoms"Schluckstörung" wird nur eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und differenzierte undzielorientierte Diagnostik gerecht, wohl wissend, daß es kein diagnostisches Verfahren gibt, das denganzen Schluckapparat in seiner Komplexität erfaßt. Erst dann können diagnostische Fortschritteauf therapeutische Aktivitäten übertragen werden.
Nach: E. K. Wafther: Hauptreferatauf der 6. Tagung der Vereinigung Mitteldeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte,Kassel, 5.-7. September1997