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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Die Analyse des Symptoms Schwindel hat eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen zu berücksichtigen und bedarf oft einer umfassenden interdisziplinären Zusammenarbeit. Aufgabe des Otologen ist vornehmlich die Abgrenzung (und ggf. Therapie) von peripher- und zentralvestibulären Systemstörungen.
Die gezielte Anamneseerhebung zur Schwindelqualität (Drehen, Lift, Schwanken) und -quantität (Dauer-, Attackenschwindel) ergibt erste Hinweise zur Schadenstopik. Jeder Schwindel mit Scheinbewegungen der Umwelt oder des Patienten in seiner Umgebung weist auf eine vestibuläre Störung hin. Als typische Form eines vestibulären Schwindels ist der Drehschwindel anzusehen. Die Beschreibung der zeitlichen Abläufe des Schwindelerlebens und der Begleitsymptome ist oft hilfreich für die Diagnosestellung. Ein heftiger, plötzlich einsetzender Drehschwindel, der sich innerhalb von Tagen abschwächt, ist typisch für eine akute peripher-vestibuläre Erkrankung. Der Menière-Schwindel ist von wechselnder Intensität und dauert Minuten bis Stunden. Ein lageabhängiger Sekundenschwindel ohne Bewusstseinsänderung deutet auf eine Störung der Otolithenfunktion wie beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel hin.
Elementarer Bestandteil einer Vestibularisdiagnostik ist nach Anamnese und klinischer Untersuchung die Nystagmusanalyse. Die Nystagmusregistrierung erfolgt jeweils unter der Frenzelbrille oder elektronystagmographisch. Gefahndet wird nach spontanen und provozierbaren Nystagmen. Ein bei Geradeausblick auftretender Spontannystagmus ist immer pathologisch. Gleiches gilt für den in den Hauptblickrichtungen auftretenden Blickrichtungsnystagmus. Bei peripher-vestibulären Störungen findet man horizontale Nystagmen mit mehr oder weniger ausgeprägten rotierenden Anteilen. Vertikale oder rein rotierende Nystagmen sprechen ebenso für eine zentral-vestibuläre Dysfunktion wie der Blickrichtungsnystagmus. Provokationsmaßnahmen durch Kopfschütteln, die Einnahme der schwindelauslösenden Position sowie Lage- und Lagerungsübungen aktivieren einen latenten, spontan nicht erkennbaren Nystagmus. Während bei der eher statischen Lageprüfung unterschiedliche Kopf- und Körperpositionen eingenommen werden, geht es bei den Lagerungsübungen um dynamische Lagewechsel und Drehbewegungen.
Experimentelle Vestibularisuntersuchungen liefern qualitative und quantitative Informationen. Die größte klinische Bedeutung kommt hierbei der kalodschen (thermischen) Reizung zu, da sie die Funktionstüchtigkeit eines einzelnen peripheren Gleichgewchtsorganes erkennen läßt. Drehstuhlprüfungen erregen dagegen beide Gleichgewichtsorgane gleichzeitig. Mit optokinetischen Verfahren wird die Sehwahrnehmung einer bewegten Umwelt und Auswirkung auf das Gleichgewichtssystem untersucht.
Koordinationsprüfungen nutzen vestibulospinale Reaktionen und bedienen sich statischer Steh- und dynamischer Gehversuche bei geschlossenen Augen. Bei akuten vestibulären Dysfunktionen kommt es zu einer Verlagerung des Körperschwerpunktes zur erkrankten Seite. Beim Romberg'schen Stehversuch ist dies in pathologischen Fällen eine Fallneigung, beim Unterberger-Tretversuch eine Körperdrehung. Diese beiden Verfahren lassen sich durch die Posturografie bzw. Kraniokorpografie auch quantitativ dokumentieren.
Zur otoneurologischen Umfelddiagnostik gehört die Ermittlung der Hörschwelle und die Ableitung otoakustischer Emissionen. Tympanometrie und Stapediusreflexe liefern Einblick in die Mittelohrfunktion. Überschweilige Messungen und die Hirnstammaudiometrie differenzieren zwischen cochleären bzw. labyrinthären und retrocochleären Störungen. Die Elektrocochleographie kann einen M. Menière sichern. Besonders bei Traumen und Erkrankungen des inneren Gehörganges rundet die Fazialistopodiagnostik (einschließlich Neuronographie und antidromer Reizung) das Bild. Bildgebende Verfahren (Felsenbeinaufnahmen nach Schüller, Stenvers, HWS, NNH o.m./o.f., MRT oder CT der Otobasis) werden nach Befundsituation indiziert.