HNO Klinik Bonn > Forschung > Publikationen > Klinisch Praktische Informationen

Klinisch-Praktische Informationen 4, 4 (1999)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Detektion von disseminierten Tumorzellen im Blut und Knochenmark

Es ist bekannt, daß bei malignen Tumoren epithelialer Herkunft eine Tumorzelldissemination stattfindet, die mit konventionellen Methoden des Tumorstagings nicht erkannt wird. In den letzten Jahren wurden Verfahren entwickelt, um diese disseminierten Karzinomzellen im Knochenmark und peripheren Blut nachzuweisen. Nach bisherigen Erkenntnissen ist mit einer Anzahl von maximal 1 Tumorzelle in 104 mononukleären Zellen des strömenden Mediums zu rechnen, wobei in der Regel die Anzahl der nachgewiesenen Karzinomzellen erheblich geringer beschrieben wird und die Nachweisgrenze mit 1 Tumorzelle in 106 mononukleären Zellen angegeben wird. Diese Zahlen verdeutlichen, daß zur Detektion dieser Tumorzellen sehr sensitive Methoden mit hoher Spezifität zum Einsatz kommen müssen. Aktuell werden vorwiegend immunzytochemische und molekularbiologische Verfahren - basierend auf der Polymerase-Kettenreaktion - nach vorangegangener Anreicherung der mononukleären Zellfraktion eingesetzt.

Im eigenen Labor werden die mononukleären Zellfraktionen, in denen sich zu erwartende Tumorzellen befinden, aus intraoperativ gewonnenen Knochenmarkaspiraten und Blutproben von Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren mit einem dazu speziell entwickelten Zentrifugenverfahren gewonnen. Anschließend erfolgt die Markierung epithelialer Zellen mit einem an einen Minimagneten (Microbead) gekoppelten monoklonalen Antikörper (HEA). Diese Zellsuspension wird mit Hilfe eines Magnetfeldes aufgetrennt, wobei nichtmarkierte Zellen ausgewaschen und die antikörpermarkierten Zellen gewonnen werden. Nach diesen Anreicherungsmethoden erfolgt der Nachweis disseminierter Tumorzellen, wobei sowohl immunhistochemische als auch molekularbiologische Methoden zum Einsatz kommen. Ein Teil der Zellsuspension wird durch eine Zytospinzentrifugation auf Objekträger gebracht und mit Pankeratin immunhistochemisch gefärbt. Diese Methode erlaubt eine morphologische Beurteilung und quantitative Auswertung angefärbter Zellen. Ein weiterer Teil der Zellsuspension wird zur molekularbiologischen Auswertung aufgearbeitet und mit Hilfe einer RT PCR auf das Vorhandensein von Cytokeratin 19 - positiven Zellen untersucht. Mit Hilfe dieser Methoden wurden bisher bei 33% Prozent der untersuchten Patienten mit ausgedehnten Kopf-Hals-Tumoren Karzinomzellen im Knochenmark identifiziert. Die Hälfte dieser Patienten zeigte gleichzeitig disseminierte Tumorzellen im peripheren Blut.

Der Einfluß von disseminierten Karzinomzellen auf die Prognose der Krebserkrankung konnte bei einigen Tumorarten nachgewiesen werden, wobei kolorektale- und Mammakarzinome am ausführlichsten untersucht wurden. Mittlerweile hat der Nachweis disseminierter Tumorzellen bei diesen Tumorarten Einfluß auf differentialtherapeutische Entscheidungen. Im Kopf-Hals-Bereich fehlen bisher fallzahlreiche Studien, die Aussagen über die maligne Potenz disseminierter Tumorzellen erlauben. Es ist zu klären, ob der Nachweis disseminierter Tumorzellen auch im Kopf-Hals-Bereich Einfluß aus die Prognose der Tumorerkrankung hat und adjuvante Therapieformen zu erwägen sind.

Stein M., C. Herberhold:
Detektion von Plattenepithelkarzinomzellen im strömenden Medium und Knochenmark bei Patienten mit Karzinomen im Kopf-Hals-Bereich. In Vorbereitung.