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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Schalldrucktransmission ist Voraussetzung des Hörvermögens. Das System aus Trommelfell und Gehörknöchelchen hilft, den Mediensprung von luftantransportiertem Schall auf das Medium Wasser ins Innenohr energieverlustarm zu realisieren.
Hörverbessernde Operationen zielen darauf, nach Sanierung der Mittelohrverhältnisse, dieses Trommelfell-Gehörknöchelchensystem wieder aufzubauen.
Dabei ist nicht das Bestreben, das dreigliedrige System wiederherzustellen. Dieses geht nicht. Angestrebt wird eine sog. Columellisation, also eine Stempelkonstruktion. Entweder wird der Stempel unmittelbar zwischen Trommelfell und Steigbügelfußplatte eingeschaltet oder man überhöht den noch vorhandenen Steigbügel. In nur wenigen Fällen ist körpereigenes Material ausreichend zur Verfügung. In der Regel ist der Operateur auf körperfremden Knöchelchenersatz angewiesen.
Viele Materialien sind im Laufe der Zeit, also etwa seit den späten 50er Jahren bis heute mit unterschiedlichem Erfolg eingesetzt worden. Besonders geeignet sind körperverträgliche, d.h. bioinerte Stoffe, die keinerlei Reaktionen mit dem Empfängerbereich induzieren. Diesen Konditionen genügen vornehmlich Titan, Gold und geeignetes Graphit. Alle Ersatzknöchelchen lassen unabhängig von Körperverträglichkeit Dislokationen und Extrusionen erkennen.
Brauchbare artefizielle Hörknöchelchen wachsen nicht unmittelbar in die Mittelohrstrukturen ein. Durch unzureichende Form bzw. Größe und auch durch mechanische Überlastung, zum Beispiel Sturz, Springen oder sportliche Betätigung des Patienten können diese Prothesen aus ihrer intraoperativ bewirkten Position abgleiten, so daß die rekonstruierte Kette wieder unterbricht. Weiterhin kann eine zu große Dimensionierung der Prothese im Laufe von Monaten oder Jahren zu Perforationen im Trommelfell und damit zur Extrusion führen. Beide Komplikationen kommen bis zum heutigen Tage jeweils in 2-5% der Fälle vor.
Wir benutzen seit 20 Jahren sog. Feinkorngraphit als Material für den Knöchelchenersatz. Dieses reine, nichtfaserverstärkte Material, ist in allen Fällen ohne Einschränkung ohne pathologische Körperreaktionen geblieben. Da etwa 200 verschiedene Graphit-Zubereitungen bekannt sind, ist es wichtig, dieses für die grundsätzliche Diskussion festzuhalten. Wir konnten uns also voll darauf konzentrieren, eine geeignete Form für unsere Mittelohrprothese zu entwickeln. Alle bislang benutzten Formen, wie beispielsweise pilzförmige oder reißzweckähnliche ließen aber im Verlauf keine wesentliche Reduzierung der Extrusions- und Dislokationsrate erkennen.
In Anlehnung an technische Beispiele wurden in letzter Zeit Dreifuß-Konstruktionen der Prothesen entwickelt. Wie zum Beispiel ein dreifüßiger Stuhl standsicher ist, sollte auch eine Dreifußprothese im Mittelohr deutlich bessere Positionsstabilität besitzen. Anfänglich ließen bereits intraoperativ handgefräste Prothesen gute Ergebnisse erkennen. Computergeschnittene Modelle brachten weitere Verbesserungen. Aus der Bilanz von bislang 43 Fällen mit einer Nachbeobachtungszeit bis zu 3 Jahren ergibt sich, daß Dislokationen der computergefrästen Mittelohrprothesen bisher nicht mehr vorgekommen sind.
![]() Trommelfell-Gehörknöchelchen-System beim Gesunden mit Amboss und Steigbügel |
![]() Rekonstruktion mit Knöchelchen-Ersatz: Durch mechanische Belastung kann eine Prothesendislokation auftreten |
![]() Dreifuß-Prothese aus Feinkorn-Graphit mit deutlich verbesserter Positionsstabilität |