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Klinisch-Praktische Informationen 4, 5 (1995)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Hörminderung nach Lumbaipunktion

Häufigkeit: Seit 1914 ist bekannt, daß es nach einer Lumbalpunktion, Spinalanästhäsie oder Myelographie zu Hörminderungen kommen kann. Angaben zur Inzidenz gehen jedoch weit auseinander und reichen von 0,4% (2) über 3% (3) bis zu 42% (4). Entscheidend für das Auftreten der Hörminderung soll die Dicke der Punktionskanüle sein (5), die für einen okkulten extrathekalen Liquorfluß verantwortlich gemacht wird. So treten bei dünnen Punktionsnadeln kaum Hörminderungen auf. Im klinischen Alltag ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, da viele Patienten eine leichte passagere Hörminderung, die das Sprachverständnis nicht beeinflußt, kaum wahrnehmen. Typischerweise handelt es sich um eine cochleäre Schwerhörigkeit vornehmlich im Tieftonbereich. Die Beschwerden sind anfangs oft akzentuiert bei aufrechter Körperhaltung und vermindert in liegender Position. Die Hörminderung tritt oft mit einer Latenz erst nach einigen Tagen auf und bildet sich in wenigen Tagen meist vollständig zurück. Seltener werden die Hörstörungen von vegetativen und vestibulären Symptomen begleitet. Die Hörminderung ist dann meist ausgeprägter und nicht immer reversibel (6). Pathophysiologisch ist eine ursächliche Beteiligung des Injektates bei der Myelographie oder Spinalanästhäsie zweifelhaft, da die Hörminderung ebenfalls bei einer sogenannten "einfachen Lumbalpunktion" auftritt. Auch andere vermeintliche Ursachen wie z.B cochleäre Ischämien durch Blutdruckschwankungen, Serum-Osmolaritätsveränderungen oder Dehnungen des Hörnerven haben keine klinische Relevanz. Die derzeit plausibelste Erklärung bezieht sich auf einen relativen endolymphatischen Hydrops nach der Punktion. Danach entsteht durch schleichenden Liquoraustritt aus dem Stichkanal ein Unterdruck des Liquorraumes, der sich über einen ungenügend verschlossenen Aquaeductus cochleae zum Perilymphraum fortsetzt und dort zu einem endolymphatischen Hydrops führt. Da der Aquaeductus cochleae nach neueren Studien auch an seiner engsten Stelle einen nahezu konstanten Durchmesser hat (7) und beim Erwachsenen meist bindegewebig verschlossen ist, könnte hinsichtlich der hohen Inzidenz der Hörminderung zusätzlich auch ein anderer Mechanismus in Frage kommen, z.B. eine Druckübertragung über den Ductus endolymphaticus. Zur weiteren Klärung der pathophysiologischen Begründung der Hörminderung nach Lumbalpunktion könnten präzisere Informationen über das Druckregulationssystem des Innenohrs beitragen. Möglichkeiten liefern uns dazu die Elektrocochleographie zum Hydropsnachweis und möglicherweise neuartige Verfahren zur Analyse des proportionalen Innenohrdrucks (8).

VandarnI, Dripps R. Longterm follow-up of patients who received 10098 spinal aneslhetics.J.A.M.A.1956:161:586-591 3 Panning B.,Meiler D., Lehnhardt E. Transient low-frequency hypacousia after spinal aneslhesia. Lancet 1983:11:582, Wang L.,MagnussonM.,Lundherg,J.,TörnebrandtK.: Auditory ftinction after spinal aneslhesia. Regional Anesthesia 1993:18:162- 165 Fog J.,Wang L,Sundberg A.Mucchiano C. Hearing loss after spinal anesthesisa is related to needle size. Anesth Analg 1990:70:517- 522 Michel 0, Brusis T,Loennecken I, Matthias R. Innenohrschwerhörigkeil nach Liquorpunktion:Eine zuwenig beachtete Komplikation. HNO 1990:38: 71-76 Jackler R.,Hwang P. Enlargement ofthe cochlearaqueduct: fact or fiction. Otolaryngology-Head and Neck Surgery 1993:109:14-25 Marchbanks R, Reid A. Cochlear and cerebrospinal fluid pressure: their inter-relationship and control meehanisms. British Journal of Audiology 1990:24:179-187

Hütten, R., E.K. Walther:
Innenohrschwerhörigkeit nach Lumbalpunktion. Vortrag 99. Tagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Bielefeld, 21 .-22.04.1 995.
Tarnen F, Prelal P (1914):
Paralysie de la Vie paire associe ä une surdite bilaterale apres rachisto-vainisation. Arch Ophtalmol 1914:34:111 "
Hütten, R., E.K. Walther:
Innenohrschwerhörigkeit nach Lumbaipunktion. Vortrag 99. Tagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Bielefeld, 21 .-22.04.1 995.
Hütten, R., E.K. Walther:
Innenohrschwerhörigkeit nach Lumbaipunktion. Vortrag 99. Tagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Bielefeld, 21 .-22.04.1 995.
Hütten, R., E.K. Walther:
Innenohrschwerhörigkeit nach Lumbaipunktion. Vortrag 99. Tagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Bielefeld, 21 .-22.04.1 995.
Hütten, R., E.K. Walther:
Innenohrschwerhörigkeit nach Lumbaipunktion. Vortrag 99. Tagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Bielefeld, 21 .-22.04.1 995.