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Klinisch-Praktische Informationen 4, 5 (1993)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Klinische Bedeutung der Positronenemissionstomographie (PET) in der Rezidivdiagnostik von Kopf-Hals-Karzinomen

In einer Pilotstudie bei der Positronenemissionstomographie (PET) ließ sich bei Kopf-Hals-Karzinomen eine hohe Übereinstimmung mit dem histologischen und klinischen Befund im Vergleich zu Ultraschall, Computertomographie (C-0 und/oder Magnetresonanztomographie (MR-0 feststellen.  Auch konnte mit der PET eine Differenzierung zwischen Tumorgewebe und Fibrose bei vorbehandelten Patienten erreicht werden.  In einer weiteren Untersuchung wurden die diagnostische Sicherheit bei Lokalrezidiven und Fernmetastasen im Vergleich mit CT und MRT in der klinischen Routine überprüft. 54 Patienten mit zuvor behandelten Kopf-Hals-Karzinomen und mit Verdacht auf ein Tumorrezidiv (Nasopharynx n=9, Oropharynx n=23, Mundhöhle n=22) wurden körperlich sowie mit Ultraschall und/oder CT bzw.  MRT untersucht.  Die PET-Aufnahmen wurden 60 Minuten nach Injektion von 185 - 370 MBq Fluor-18-Desoxyglukose (FDG) angefertigt.  Die Emissionen wurden qualitativ nach einem 4-Punkte-Scoring-System beurteilt und die Ergebnisse mit der klinischen Abschlußdiagnose nach Histologie und Op-Befund verglichen. Neben der Dokumentation der Glukose-Stoffwechsel-Akfivitätsanreicherung in den einzelnen Schnittebenen wurde zusätzlich eine Farbkodierung der koronaren, transayialen und sagittalen Schichten vorgenommen, wodurch die pathologische Aktivitätssteigerung noch deutlicher zur Darstellung kommt. Die Quantifizierung der Glukose-Stoffwechselaktivität bedeutete eine weitere Steigerung der Aussagefähigkeit .Die Glukoseaktivität interessierender Gewebsareale wird zusätzlich in Relation zu Referenzorganen (Cerebellum, Leber) gesetzt und graphisch dargestellt.

Bei 34 richtig positiv (Tumorrezidiv) und 18 richtig negativ (kein Tumomachweis) eingestuften Fällen ergab die Auswertung eine Sensitivität von 97% und eine Spezifität von 94%.  Mit einem positiven Voraussagewert von 97% und einem negativen Voraussagewert von 95% lag die Genauigkeit bei 96%.  Im Gegensatz zu den bildgebenden Verfahren CT/MRT fanden sich bei 15 Tumormanifestationen (Rezidiv, lokale LK-Metastasen, mediastinale Metastasen, Fernmetastasen) in der PET richtig positive bzw. richtig negative Befunde. Nur in 4 Fällen erfolgte eine falsch positive oder falsch negative Interpretation der manifesten Glukose- Stoffwechsel-Aktivitätssteigerung.

Die Untersuchung zeigt, daß Lokalrezidive bzw.  Fernmetastasen von Kopf-Hals-Karzinomen mit der PET sicher darstellbar sind und ein genaues Tumorstaging ermöglicht wird.  Die Quanbfizierung der Glukose-Stoffwechselakt erhöht auch bei Rezidivtumoren des Kopf-Hals-Bereiches den Aussagewert der PET deutlich.  Kritisch indizierte Anforderungen an die klinische Routinediagnostik werden von der PET erfüllt.  Wichtige Voraussetzung für qualitätsgesicherte Aussagen ist die Kooperation eines subtil mit der Verfahrenstechnik vertrauten Nuklearmediziners und dem Kliniker.

Nach: Straehler-Pohl, H.-J., H. Bender, R. Rödel, D. Linke:
Vortrag auf der 102.  Tagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Köln, 24.-25. April 1998.