HNO Klinik Bonn > Forschung > Publikationen > Klinisch Praktische Informationen
(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Ätiologie: Reflux wird sowohl aus anatomischen (nur kurzer abdomineller Ösophagusanteil) als auch aus funktionellen Gründen (Tonusminderung des unteren Ösophagussphinkters) begünstigt. Pathogenetisch wirksam sind der direkte Kontakt des Refluates mit extragastralem Gewebe einerseits, aber auch reflektorische (Distension des distalen Ösophagus) vagale Stimulationen andererseits (2). Schädigendes Agens ist zweifelsfrei die Säure, entscheidend ist aber auch eine gestörte ösophageale Motilität. Prädisponierende Faktoren sind die Hiatushernie, eine langsame ösophageale und/oder auch gastrale Entleerung, abnorme Kontraktionsabläufe im tubulären Ösophagus, intraabdominelle Druckerhöhungen und besonders der inkompetente untere Sphinkter.
Symptomatik: Leitsymptom des gastroösophagealen Refluxes sind typischerweise epigastrische und retrosternale Schmerzen. Auch Sodbrennen und Aufstoßen deuten auf einen Reflux. Im Kopf-Hals-Bereich werden jedoch eher diffuse Beschwerden angegeben, die nicht unmittelbar eine Assoziation mit dem Reflux von Mageninhalt zulassen (Tabelle 1). Unter ihnen sind Heiserkeit, Schluck- bzw. Halsschmerzen, Engegefühl im Hals, Globus pharyngis und Dysphagie vorherrschend (3). Schwere Refluxsituationen können Pneumonien, Apnoe, Zyanose und Stridor induzieren, besonders bei Kindern. Ein Zusammenhang des plötzlichen Kindstodes mit Säurereflux in die tiefen Atemwege wird diskutiert (4).
Diagnostik: Diagnostikum der Wahl zum Nachweis einer gastroösophagealen Refluxkrankheit neben der Ösophago-Gastro-Duodenoskopie ist die 24-Stunden-pH-Metrie. Eine pharyngolaryngeale Symptomatik wird bereits bei weitaus geringeren Refluxmengen induziert als zur Entstehung einer Refluxösophagitis erforderlich sind, so dass zum Ausschluß extraösophagealer Refluxmanifestationen unterschiedliche Kriterien als nur eine unauffällige Endoskopie heranzuziehen sind. Hilfreich ist zum Nachweis eines pharyngealen Refluxes eine zweikanalige pH-Ableitung auf beiden Seiten des pharyngoösophagealen Segmentes.
Behandlung: Die Therapie mit prokinetischen Substanzen (Cisaprid) bietet einen kausalen Ansatzpunkt in der Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit, während die Gabe von säuresupprimierenden H2-Blockern (Cimetidin) rein symptomatisch wirkt. In schweren Fällen wird zusätzlich ein Protonenpumpenhemmer (Omeprazol) zur Inhibition der basalen und postprandialen Säuresekretion rezeptiert. Bei einer therapieresistenten posterioren Laryngitis mit begleitenden Schluckstörungen und Säurenachweis im oberen Ösophagus ist eine probatorische Therapie mit H2-Blockern oder einem Omeprazol-Präparat (z.B. Antra®) gerechtfertigt (5). Diese Palette wird durch diätetische Maßnahmen und Änderung der Lebensgewohnheiten (Schlaf mit erhöhtem Oberkörper, Reduktion von Fett, Schokolade, Alkohol, Nikotin u.v.m.) begleitet.
|
|
Schrifttum: