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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Der HNO-Arzt wird in seiner täglichen Praxis sehr häufig mit Globusbeschwerden konfrontiert. Wir verstehen hierunter ständige oder situativ auftretende Missempfindungen im Hals, ein Kloß- oder Engegefühl, das nicht selten auch mit Stimmveränderungen einhergeht. Der auf Hippokrates zurückgehende Terminus Globus hystericus verdeutlicht die bis in die Gegenwart reichende Vorstellung von einer rein psychischen Genese, was pathogenetisch und nosologisch nicht gerechtfertigt ist, auch wenn eine gewisse Persönlichkeitsstruktur prädisponierend sein kann. Typischerweise sind die Beschwerden unabhängig von der Nahrungsaufnahme, wodurch nicht nur eine begriffliche, sondern auch inhaltliche Abgrenzung des Globus pharyngis zur Dysphagie gegeben ist. Bei sonst unauffälligem HNO-Befund findet sich sekundär häufig eine Relaxationsstörung des oberen Ösophagussphinkters. Die Frage ist, inwieweit der Globus mehr das Symptom oder die letztendliche Diagnose repräsentiert?
110 Patienten mit Globus pharyngis wurden bei unauffälligem HNO-Befund im Rahmen einer interdisziplinären Umfelddiagnostik einer gezielten gastroenterologischen Untersuchung zugeführt. Es handelte sich um 67 Männer und 43 Frauen im Alter von 18 bis 85 Jahren mit Akzentuierung des 6. Lebensjahrzehnts. Fünfmal war eine flexible Endoskopie nicht möglich, so dass 105 Fälle verwertbar waren. Videofluoroskopie und Ösophago-Gastro-Duodenoskopie wurden durch quantitative Verfahren der pharyngoösophagealen Sequenz-Computermanometrie und einer ambulanten 24-Stunden-Langzeit-pH-Metrie ergänzt. Obligater Bestandteil der Endoskopie war eine Schleimhautbiopsie sowie die Fahndung nach Helicobacter pylori.
Vor der detaillierten Analyse der Untersuchungsbefunde ergab sich eine Bilanz von nur 13 gänzlich unauffälligen Patienten (12,4%). In den anderen 92 Fällen waren gastroenterologisch pathologische Befunde evident, wobei zwei Konstellationen im Vordergrund stehen. Dies sind zum einen entzündliche Veränderungen im Magen und Duodenum mit 69,5%. Erosionen, Ulzera bzw. eine frische Helicobacter-Besiedelung fanden sich hierbei in 8,2 bzw. 15,4%. Die zweitgrößte Rolle spielten zum anderen gleichzeitig bestehende Funktionsstörungen des unteren Ösophagussphinkters. 61,9 % wiesen eine axiale Hiatushernie auf, die bezogen auf das Gesamtkollektiv bei 36,9% einen endoskopisch sichtbaren gastroösophagealen Reflux induziert hatte. In 21,5% war bereits eine Refluxösophagitis unterschiedlichen Grades manifest. Die Refluxereignisse wurden zusätzlich durch eine 24-Stunden-pH-Metrie erfasst. Sie objektiviert eine gastroösophageale Refluxerkrankung und sichert die Koinzidenz der Refluxereignisse mit den subjektiven Beschwerden auch im Hinblick auf eine zirkadiane Rhythmik der Säuresekretion. Eine Kardia-Insuffizienz trat als Solitärbefund in 6,7% auf. Andere Krankheitsbilder an Ösophagus (14,3%) und Gastro-Intestinum (12,4%) treten demgegenüber deutlich in den Hintergrund. Ösophageale Motilitätsstörungen sind meist unspezifisch und äußern sich in tertiären Kontraktionen, seltener im diffusen Ösophagospasmus bis hin zum Nussknacker-Ösophagus. Die untere Achalasie gilt als der Prototyp einer primären Motilitätsstörung der Speiseröhre.
Die Untersuchung zeigt, dass das Symptom Globus pharyngis häufig mit gastroenterologischen Krankheitsbildern einhergeht. Auf dieser Konstellation basiert die Empfehlung zur gezielten gastroenterologischen Untersuchung jedes Patienten mit Globusgefühl unabhängig vom HNO-Befund.