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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Die bislang zur Verfügung stehenden Funktionsprüfungen des N. VII registrieren die motorische Funktion an der Gesichtsmuskulatur als Indikator für den Zustand des Nerven. Eine Sonderstellung nehmen die Ablenkung des trigeminafazialen Reflexes und die transkranielle Magnetstimulation ein. Hier wird zwar der intratemporale Abschnitt des N. facialis erregt, die Reizantwort wird aber wie bei allen anderen Verfahren über myogene Reaktionen erfasst. Die mit diesen herkömmlichen Methoden am extrakraniellen Verlauf erfasste Funktionsstörung reflektiert zeitlich verzögert die Läsion im intratemporalen Abschnitt auf Grund der distal fortschreitenden Degeneration. Eine aktuelle, zuverlässige Information über die Läsion im intratemporalen Abschnitt ist nicht möglich.
Die Registrierung antidrom fortgeleiteter Reizantworten des N. facialis ermöglicht hingegen eine direkte Untersuchung auf neuraler Ebene (1). Mit der Entwicklung nachdrichtentechnischer Reiz- und Ableitverfahren (2-4) wurden die Versuche der antidromen Fazialisreizung in den letzten Jahren fortgesetzt und in der Klinik erprobt. Bei ungestörter Fazialisfunktion lässt sich bei transkutaner Reizung am Foramen stylomastoideum von der der intakten Kopfhaut ein spezifisches Potential mit einer Latenz um 3 ms ableiten, dessen Generatorort im Hirnstamm anzunehmen ist.
Gegenwärtig überblicken wir Messresultate von 200 Patienten. Unter klinischen Konditionen signalisiert die Existenz eines antidrom evozierten Potentials die erhaltene Kontinuität des Nerven. Bei Funktionsstörungen mit inkompletten Paresen des N. facialis zeigen veränderte Potentialeigenschaften den neuronalen Funktionszustand an. Bei klinisch kompletter peripherer Fazialisparese lassen sich zwei Situationen unterscheiden. Während der Nachweis einer antidrom erregten Antwort zuverlässig eine günstige Prognose anzeigt, weist das Fehlen einer antidrom evozierten Antwort bei kompletten Paresen auf unterbrochene Kontinuität des Nerven hin.
Bei kompletten Paresen lässt sich nach Ergebnissen der antidromen Fazilisreizung somit z. B. Indikation und Zeitpunkt eines operativen Handlungsbedarfs näher präzisieren.
Beispiel: Bei einem 25jährigen Patienten lag bei Felsenbeinquerfraktur unmittelbar ine komplette Fazialisparese rechts vor. Myogene Reaktionen bei transkranieller Magnetstimulation und bei Fazialisneuronographie sowie zentralnervös evozierte Potentiale bei antidromer Fazialisreizung waren nicht ableitbar. Intraoperativ zeigte sich eine vollständige Kondnuitätsunterbrechung des N. facialis. Nach Einsatz eines N. auricubris magnus-Interponates war bereits vier Wochen (!) postoperativ ein 3 ms-Patential bei peripherer Reizung des N. facialls registrierbar. Erst nach ca. drei Monaten zeigten sich myogene Reaktionen bei der Fazilisneuronographie, nach ca. 5 Monaten auch bei der transkraniellen Magnetstimulation (Abb. 1).