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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Bei kommerziell verfügbaren Meßgeräten werden zur Registrierung von transitorisch evozierten otoakustischen Emissionen Schallreize in einem Frequenzbereich von 1 bis 5 kHz eingesetzt, um evozierte Antworten mit Latenzzeiten oberhalb 4 ms im äußerem Gehörgang zu registrieren. In den zweidimensional registrierten Schallereignissen sind Reflexionen des Trommelfell-Gehörknöchelchen-Apparates von kurzer Latenzzeit (< 4 ms) enthalten, die Auskunft über Resonanzeigenschaften und akustischen Widerstand des Mittelohres geben können.
Um der Frage nachzugehen, inwieweit Reaktionen auf kurzzeitige Schallereignisse vom Funktionszustand des Mittelohres abhängen, wurden auf einer Workstation aus reflektierten zeitlichen Schalldruckverläufen Frequenzspektren berechnet und die Ergebnisse 3-dimensional in Amplitude, Frequenz und Laufzeit dargestellt.
Es liegen Ergebnisse von 24 Normalhörenden mit normalem Tympanogramm und von 52 Patienten mit pathologischem Kurvenverlauf im Tympanogramm vor. Bei normaler Mittelohrfunktion entsteht ein Gebirge aus drei mit Zeit und Frequenz abfallenden Gipfeln und zwei Talstraßen um 1 kHz und 3,5 kHz. Bei erhöhter Mittelohrimpedanz (erhöhter akustischer Widerstand) entsteht eine signifikante Verschiebung der reflektierten Schallenergie von mittleren zu höheren Frequenzen und zu höheren Laufzeiten. Bei erniedrigter Impedanz hingegen ist die reflektierte Schallenergie von tiefen und mittleren zu höheren Frequenzen verschoben, d. h. tiefe und mittlere Frequenzen werden überwiegend absorbiert und nicht reflektiert. Bei Trommelfellperforation werden nur Frequenzanteile unterhalb 1 kHz absorbiert und höhere Frequenzen reflektiert. Bei der Otosklerose ergibt sich signifikante Amplitudenerhöhung im Frequenzbereich oberhalb 4 kHz mit überwiegend kurzzeitiger Reflexion.
Die Untersuchungsergebnisse zeigen, daß mit einem gängigen
Meßgerät für otoakustische Emissionen durch (zweifellos
aufwendige) 3-dimensionale Darstellung von Schallereignissen kurzer Latenzzeit
auch Aussagen über den Funktionszustand und zur Differentialdiagnose
des Mittelohres möglich sind.
Nach: Rödel, R., J. Pesch, C. Herberhold: Schallreflexionen des Mittelohres hinsichtlich Amplituden/ Laufzeiten/Frequenzdaten. Vortrag 69. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Hannover, 20.-24. Mai 1998.