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Klinisch-Praktische Informationen 7, 1 (1993)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Tumormarker bei Kopf-Hals-Karzinomen

Tumormarker werden Bestandteile der Tumorzelle oder Stoffwechselprodukte des malignen Wachstums bezeichnet. Sie werden in den Blutkreislauf sezerniert und können im Blut und in anderen Körperflüssigkeiten ebenso wie im Gewebe nachgewiesen werden. Ein Tumormarker soll eine bestimmte maligne Erkrankung spezifisch und sensibel, d.h. frühzeitig und im Rezidivfall, anzeigen.

Als tumorassoziierte Antigene haben das carcinoembryonale Antigen CEA und das Kohlenhydratantigen CA 19-9 für die Verlaufskontrolle von intestinalen Karzinomen einen hohen Stellenwert erreicht. Erhöhte präoperative CEA-Werte korrelieren mit dem Stadium, der Rezidivrate und der Überlebenszeit kolorektaler Karzinome. Ein erhöhter Serumspiegel des squamous cell carcinoma-Antigens SCC soll bei den epithelialen Malignomen der Cervix uteri, der Lunge und des Ösophagus nachweisbar sein. Zwar wurden CEA, CA 19-9 und SCC im Serum von Patienten mit Kopf-Hals-Karzinomen nachgewiesen, eine den intestinalen Tumoren vergleichbare Bilanz ist jedoch nicht ersichtlich. Die Thymidinkinase (TK) sowie die Desoxythymidin-Triphosphatase (dTTPase) sind unspezifische Proliferationsindikatoren und als zelluläre Enzyme an der Kontrolle der DNA-Synthese beteiligt.

Die klinische Leistungsfähigkeit von CEA, SCC, CA 19-9, TK und dTTPase als Tumormarker wurde über einen Zeitraum von 6 Monaten bei 26 Patienten mit Plattenepithelkarzinomen im Kopf-Hals-Bereich untersucht. Prätherapeutisch erhöhte Serumspiegel fanden sich in 46% (SCC), 39% (dTTPase), 27% (TK), 15% (CEA) und 12% (CA 19-9). Bei kumulativer Berücksichtigung aller Marker ergab sich eine prätherapeutische Spiegelerhöhung in 73%. Die genaue Analyse der erhöhten Markerwerte zeigte jedoch eine deutliche und signifikante Spiegelerhöhung im Serum nur in 8-12%. Eine signifikante Korrelation zwischen den Serumspiegeln und der Tumorlokalisation, der Tumorgröße (TNM-Klassifikation), dem histologischen Differenzierungsgrad und dem Allgemeinzustand der Patienten ließ sich nicht nachweisen. In der weiteren, posttherapeutischen Verlaufsbeobachtung versprachen die Marker auch bei verschiedenen Therapiemodalitäten und trotz Tumorfreiheit keine krankheitshinweisenden Auskünfte. In klinisch vergleichbaren Krankheitsverläufen fanden sich sowohl steigende wie fallende Markerkonzentrationen.

Bei dem gegenwärtigen Stand der biochemischen Möglichkeiten und ungünstiger Kosten-Nutzen-Relation scheint die routinemäßige Markeranalyse im Serum unter Berücksichtigung der zu geringen Sensitivität und Spezifität für Karzinome im Kopf-Hals-Bereich verzichtbar zu sein.

Walther, E.K., N. Dahlmann, H.T. Gorgulla:
Tumor markers in the diagnosis and follow-up of head and neck cancer: role of CEA, CA 19-9, SCC, TK, and dTTPase. Head & Neck 15 (1993) 230-235