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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
In der diagnostischen Evaluierung von Schluckstörungen haben dynamische Untersuchungsverfahren wie die Videofluoroskopie, die Kinematographie und die Sequenz-Computermanometrie einen hohen Stellenwert erreicht. Die Sonographie spielt in der Primärdiagnostik bisher nur eine untergeordnete Rolle. Für einen harmonischen Schluckablauf ist die sequentielle Abfolge des oropharyngealen Druckpumpenstoßes durch den Zungengrund einerseits und der hypopharyngealen Saugpumpe andererseits aus eigenen Voruntersuchungen bekannt. Die Relaxation und Öffnung des oberen Ösophagussphinkters ist funktionell eng mit einer zeitgerechten und ausreichenden Elevation des Larynx-Hyoid-Komplexes korreliert. Somit wird diese Elevation zu einem lndikator für die Funktion des Schluckreflexes. Röntgenologische Untersuchungen zur Dokumentation eingeschränkter Elevationsbewegungen sind bei Aspirationszuständen z.B. nach Larynxteilresektionen nicht ohne Risiko durchführbar. Im Bemühen um ein nicht-invasives, alternatives Untersuchungsverfahren, welches sowohl das Aspirationsrisiko als auch wiederholte Röntgenuntersuchungen vermeidet, wurde erstmals die Sonographie überprüft, sowohl das Hyoid als auch den Schildknorpel präzise zu lokalisieren und deren Elevation während des Schluckaktes dynamisch darzustellen.
Verwendet wurde ein B-Scan-Sonographie-Gerät mit einem 7.5 MHz Schallkopf unter gleichzeitiger Aufzeichnung der Untersuchung auf Videoband zur späteren Auswertung der zeitlichen Abläufe. Es wurden die Elevationsbewegungen beim Leerschlucken von je 1 weiblichen und männlichen Normalpersonen im Alter von 20-48 Jahren denen von 2 weiblichen und 26 männlichen Patienten im Alter von 24-74 Jahren nach Operationen im Bereich des Schluckapparates bzw. mit konkreten Dysphagien gegenübergestellt.
Die durchschnittliche Elevation betrug bei den gesunden Frauen 23 mm (19-28mm) mit einer Dauer von 0,98 s (0,49-1,38 s) und bei gesunden Männern 29 mm (26-31 mm) mit einer Dauer von 0,77 s (0,49-1,49 s). Demgegenüber ließ sich bei 2 Patienten mit Schluckunfähigkeit nach ausgedehnter Zungengrundresektion keine Eievationsbewegung sonographisch nachweisen. 3 Patienten mit primärer Aspiration nach supraglottischer Teilresektion bzw. bei neurogener Dysphagie zeigten eine mit 14,4 mm (14,2-14,4 mm) kurze und 2,2 s (1,28-3,06 s) sehr langsame Eievation. 11 Patienten mit sekundärer Aspiration nach pharyngolaryngealen Teilresektionen, nach Neck dissection und bei neurogener Dysphagie zeigten sonographisch eine mit 21,1 mm verkürzte und mit 1,2 s (1,00-1,96s) verlängerte Elevation. Bei 12 Patienten ohne Aspiration hingegen konnte sonographisch die mit 23 mm (14,5-32 mm) längste und mit 1,0 s (0,58-1,88 s) schnellste Larynxelevation gemessen werden.
Die vorliegenden Ergebnisse der sonographischen Untersuchung von Distanz und Dauer der Elevation des Kehlkopfes während des Schluckvorganges erlauben aufgrund interindividueller Unterschiede keine Festlegung von Norm- und Grenzwerten für noch normale und schon pathologische Schluckvorgänge, zeigen jedoch deutliche Bezüge zum konkreten Schluckvermögen. Die vorgestellte Methode mag so einen metrischen lndikator für Schluckbehinderungen liefern. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sehen wir in der Verlaufsbeobachtung im Rahmen unserer Dysphagie-Sprechstunde sowie eines sonographisch unterstützten Trainings im Rahmen von Schluckübungsbehandlungen.