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Klinisch-Praktische Informationen 8, 8 (2000)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Prinzipien der modernen Nasennebenhöhlen-Chirurgie

Die Chirurgie der chronischen Nasennebenhöhlen-Entzündung hat sich grundlegend gewandelt. Das betrifft die operativen Zugänge zum System wie den Umgang mit der höhlenauskleidenden Schleimhaut. Seit etwa 20 Jahren werden, von extrem seltenen Ausnahmen abgesehen, die Nebenhöhlen-Operationen nicht mehr über externe Zugänge, sondern trans- bzw. endonasal ausgeführt. Entscheidende Begründung dazu schufen die Erkenntnisse zur Schleimhautmechanik (Messerklinger) sowie zur Pathophysiologie der Ventilation von Nase und Nebenhöhlen (Naumann o.a.). Konsequent entwickelten sich als Operations-Strategie

die heute kombiniert bei jeder Operation der chronischen Entzündung des Nasennebenhöhlensystems umgesetzt werden, um die biologischen Voraussetzungen zur Ausheilung der nicht-proliferativ veränderten chronisch entzündeten höhlenauskleidenden Schleimhaut wieder herzustellen. Die Essenz der neuzeitlichen operativen Therapie der chronisch entzündeten Nasennnebenhöhlen ist somit nicht der Gebrauch von Lupe, Mikroskop oder Endoskop, wenngleich sehr hilfreich, die Essenz ist vielmehr abgeleitet aus den aufgezählten Prinzipien,

Diese Kernaussage findet ihre Begründung in der Ergebnisbilanz aus mehreren tausend eigenen Nasennebenhöhlen-Operationen mit unterschiedlicher Technik und der in der eigenen Arbeitsgruppe frühzeitig realisierten Integration der modernen Hopkins-Optiken in Nebenhöhleninterventionen (Hellmich und Herberhold), was Wigand als den Beginn der endoskopischen Nasennebenhöhlen-Chirurgie bezeichnet hat.

Als minimal traumatisierende und pathophysiologisch orientierte Chirurgie hat sich die trans- bzw. endonasal geführte operative Therapie der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung überzeugend weltweit durchgesetzt. Sie wird zur Entfernung spontan irreversibler entzündlicher Schleimhautproliferationen mit Erhalt des Mukoperiosts durch Sinabrasio oder Debrider-Technik ergänzt.

Der kompetente HNO-Chirurg weiß aus der Methodenvielfalt sachgerecht zu wählen und beherrscht für Ausnahmefälle auch die konventionellen bzw. externen Zugangsoperationen zur pneumatisierten Schädelbasis.

Nach: Herberhold, C.:
Indikationen und Techniken der Nasennebenhöhlen-Chirurgie (Hauptvortrag auf Aufforderung).
71. Jahrestagung Dtsch.Ges.HNO-Heilkunde, Kopf-Hals-Chirurgie, zugleich 4th Europ.Congr. of Oto-Rhino-Laryngology, Head and Neck Surgery (EUFOS), Berlin, May 13 - 18, 2000