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Klinisch-Praktische Informationen 1, 8 (1993)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Elektrische Reaktionsolfaktometrie

Die elektrische Reaktionsolfaktometrie (ERO) konnte 1973 erstmals in die klinische Diagnostik eingeführt werden (1). Das Verfahren beinhaltet die rechnergestützte Ableitung und Aufbereitung olfaktorisch evozierter Potentiale, wobei die Kriterien einer objektiven Riechprüfung erfüllt werden.

Als Reizgeber werden elektronisch gesteuerte Riechreizgeneratoren eingesetzt, die eine "Riechstoffwolke" inspirationssynchron erzeugen oder einem nasalen Trägergasstrom druckstoßfrei beimengen. Die Reizfolgeantworten lassen sich aus dem Elektro-Encephalogramm an reizsynchronen Passagen im Mit- telungsverfahren errechnen. Unter effizienter Artefaktkontrolle (3) zeigt sich im Normalfall bereits nach 16 Mittelungen bei überschwelligem Reiz ein reproduzierbares sinnesspezifisches Reizantwortmuster mit zwei vertexpositiven Gipfeln von 10 bis 20 µV bei 250 und 500 ms (Abb. 1). Für die Entstehung des zeitlich zweiten Gipfels können olfaktorische Erregungen als verantwortlich angesehen werden, für den zeitlich ersten Gipfel sind reizsynchrone Aktivitäten des N. trigeminus oder des Bulbus olfactorius möglich.

Eine Indikation für die Durchführung der elektrischen Reaktionsolfaktometrie ist bei kritischen Fragen einer Riechstörung, besonders im Rahmen einer Begutachtung, sowie für wissenschaftliche Fragestellungen gegeben. Gegenwärtig überblicken wir die Ergebnisse von 1876 Patienten.

Hinsichtlich der zentralnervösen Topik bei neurologisch oder neurochirurgisch umschriebenen zentralnervösen Defekten lassen sich die Ergebnisse wie folgt zusammenfassen (2, 4):

Der zeitlich erste Gipfel fehlt bei Läsionen im Bereich von Hirnstamm und Basalganglien, der zeitlich zweite Gipfel bei Läsionen des temporalen Kortex sowie des temporalen und frontobasalen Marklagers. Die kleinste beobachtete Läsion, die zum Ausfall beider Gipfel führt, liegt im Bereich thalamokortikaler Projektionsfasern für den dorsalen Anteil des Thalamus, der sensorische und sensible Afferenzen enthält. Hier sind auch begleitende Störungen des Schmecksinnes nach Schädel-Hirn-Traumen anzunehmen. Läsionen im Bereich frontobasaler oder temporo-kortikaler Rinde sowie von temporo-parietalem und postzentralem Marklager führen ebenfalls zum Ausfall des Gesamtpotentials auf der betroffenen Seite. Substanzdefekte des frontalen Kortex und frontalen Marklagers haben keine Auswirkung auf die Potentialstruktur.

Herberhold, C.:
Nachweis und Reizbedingungen olfaktorisch und rhinosensibler evozierter Hirnrindensummenpotentiale sowie Konzept einer klinischen Computer-Otfaktometrie. Westdeutscher Verlag, Opladen 1973
Herberhold, C.:
Geruchs- und Geschmacksstörungen. HNO Praxis Heute 13, H. Ganz, W. Schätzte (Hrsg.), Springer 1993, 36 - 90
Rödel, R.:
Entwicklung eine Rechenprogrammes zur Analyse olfaktorisch evozierter Potentiale. Inaug.-Diss., Bonn 1985
Westhofen, M., C. Herberhold, G. Thayssen:
Zur Entstehung olfaktorisch und rhinosensibler evozierter kortikaler Potentiale bei Erkrankungen des Zentralnervenssystems. Laryngol. Rhinol. Otol. 64 (1985) 378-387)