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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Das Lymphabflusssystem besitzt prälymphatische Bahnen ("Saftlücken"), Lymphkapillaren, Lymphgefäße, Lymphknoten und terminale Lymphkollektoren, wie sie supraklavikulär auf beiden Seiten des Halses zu finden sind. Ontogenetisch, anatomisch und klinisch hat das Lymphsystem enge Verbindungen mit dem venösen System. Das zervikale Lymphgefäßsystem beginnt im Gewebe mit fingerförmigen initialen Lymphsinus, die sich in Präkollektoren fortsetzen. Auf die Präkollektoren folgen Kollektoren, über welche Lymphe zu den Lymphstämmen transportiert wird, die in den Truncus lymphaticus dexter oder sinister münden. Das initiale Lymphgefäß ist von einer Lage sehr dünner Endothelzellen ausgekleidet, die untereinander über verschiedene Arten zellulärer Junktionen verbunden sind. Am häufigsten sind Maculae adhaerentes, seltener Maculae occludentes. Initiale Lymphgefäße sind im Gegensatz zu Blutkapillaren regelmäßig von einem elastischen Fasernetz umgeben, das aus drei Fasertypen besteht, die eine annähernd geometrische Struktur bilden. Von der abluminalen Seite des Lymphendothels führt ein Bündel von Oxytalanfasern ("anchoring filaments") zu Elauninfasern, die wiederum mit typischen elastischen Fasern verbunden sind. Durch das Fehlen von Perizyten werden die verschiedenen, auf die initialen Lymphgefäße einwirkenden Kräfte über den perivaskulären elastischen Faserapparat unmittelbar auf die Gefäßwandung übertragen.
Die am initialen Lymphgefäß ablaufenden Resorptionsvorgänge setzen intensive Interaktionen von perivaskulärem Faserapparat und interzellulären Junktionen voraus, um bei interstitiellem Druckanstieg die interendothelialen Junktionen zu öffnen. Übersteigt der intraluminale Druck den interstitiellen, verschließen sich die Interdigitationen. Über die initialen Lymphgefäße werden vor allem Plasmaproteine und korpuskuläre Gebilde drainiert, die über Blutkapillaren und postkapilläre Venulen ins Interstitium dringen und von hier aus nicht wieder in die Blutbahn aufgenommen werden können. In 24 Stunden diffundieren über 50% der zirkulierenden Plasmaproteine durch die Blutkapillaren ins Interstitium. Dieses extravasale Protein kann von den Blutkapillaren nicht rückresorbiert werden. Alle an Eiweissfraktionen gebundenen Stoffe gelangen nur über den Lymphweg an die Zellen. Nach Verletzungen des Ductus thoracicus kommt es deshalb neben der Dehydratation zu einem bedrohlichem Serumeiweissdefizit. Durch den Ductus thoracicus strömen täglich ca. 2 Liter Lymphe mit bis zu 100 g Plasmaeiweiß. Die Lymphe des Halses fließt in kraniokaudaler Richtung, um über konvergierende Bahnverläufe an der Basis des Halses Anschluss an die zentralen Lymphräume zu finden, in denen die Lymphe des Körpers zusammenfließt. Der Abtransport dieser lymphpflichtigen Eiweißlast ist die wichtigste Aufgabe des Lymphgefäßsystems. Weiterhin lymphogen transportiert werden u.a. Fette, Hormone, Enzyme, Immunglobuline, Zellfragmente, sämtliche Formen der Blutzellen, Langerhans-Zellen, bakterielle Toxine, Bakterien und Viren.
Präkollektoren, Kollektoren und Lymphstämme besitzen im Gegensatz zu den initialen Lymphsinus Gefäßklappen, die den Rückfluss der Lymphe verhindern. Die Differenz zwischen hydrostatischem und kolloidosmotischem Druck bestimmt die Geschwindigkeit des Lymphstromes ebenso wie extrinsische Kräfte (u.a. Muskelkontraktionen, arterielle Pulsationen, Atembewegungen, Gewebsmassage). Zusätzlich einwirkende intrinsische Kräfte resultieren aus Kontraktionen aktinähnlicher Filamente in den Endothelien. Von den Kollektoren wird die Lymphe zum Truncus lymphaticus drainiert. An der rechten Halsseite kann der Truncus nach Aufnahme von Zuflüssen aus Arm, Brust und Thorax zum Truncus lymphaticus dexter werden. An der linken Seite findet der Truncus jugularis wie die anderen Zuführungen häufig unmittelbaren Anschluss an den Ductus thoracicus. Variationen in den Mündungsverläufen sind jedoch sehr zahlreich, ebenso wechseln die Einmündungen in das Venensystem vielfältig. Das Lymphgefäßsystem fungiert somit als Drainagesystem, das im Gewebe beginnt und beidseits am Zusammenfluss der V. Jugularis interna und der V. subclavia in den Venenwinkel mündet. Der zervikale Lymphabfluss folgt bevorzugten Drainagerouten, die in Einzelfällen eine große Variabilität aufweisen. Das Vorkommen sog. lymphatikovenöser Verbindungen auch außerhalb der großen Venenwinkel gilt heute als belegt.