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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Im klinischen Anwendungsbereich nimmt die Messung transitorisch evozierter otoakustischer Emissionen (TEOAE) eine bedeutende Stellung zur differentialdiagnostischen Abklärung einer Innenohrfunktion ein. Durch eine Frequenz-Zeit-Analyse des zeitabhängigen Verlaufs der registrierten Emissionen wird eine differenziertere Beurteilung ermöglicht. So konnten wir mit Hilfe der 3-dimensionalen Frequenz-Zeit-Darstellung zeigen, dass bei innenohrbedingter Hochtonschwerhörigkeit deutliche Verlängerungen der Latenzzeiten gegenüber Normalhörenden vorliegen. Bei Patienten, die tonalen Tinnitus empfinden, wurden spezifische Veränderungen in Form zusätzlicher Spektralkomponenten festgestellt. Zum besseren Verständnis der beobachteten Veränderungen wurden bekannte Cochleamodelle zur Simulation otoakustischer Emissionen weiterentwickelt. Ein solches Modell bildet dabei die physiologischen Vorgänge der Cochlea nach und gestattet eine rechnergestützte Darstellung der Bewegungsvorgänge der Basilarmembran sowie der äußeren Haarzellen. Neben einer Simulation normwertiger Emissionen lassen sich durch gezielte Veränderungen auch verschiedenartige Hörstörungen nachbilden und deren Einfluss auf die otoakustischen Emissionen untersuchen. Eine Innenohrschwerhörigkeit, die im Modell durch eine verringerte Aktivität der äußeren Haarzellen simuliert wird, resultiert in einer frequenzspezifischen Latenzverlängerung, die in gleicher Form auch bei hochtonschwerhöhgen Patienten gefunden wurde.
Die Ursachen für Tinnitus können auf unterschiedlichen Ebenen liegen, die diagnostisch jedoch nur unzulänglich unterscheidbar sind. Eine Veränderung otoakustischer Emissionen bei vorhandenem Tinnitus ist nur für cochleäre Störungen, jedoch nicht bei neuraler oder zentraler Genese zu erwarten. Im Fall von cochleär bedingtem Tinnitus kann versucht werden, diesen durch adäquate Veränderungen, etwa durch eine übermäßige Aktivität äußerer Haarzellen, zu erklären und im Modell nachzubilden. Solche Veränderungen führen im Modell tatsächlich zu entkoppelten Schwingungen der Basilarmembran, die ohne äußere Schallereignisse fortdauern. Die Frequenz-Zeit-Analyse der simulierten otoakustischen Emissionen eines derart veränderten Cochleamodells zeigt zusätzliche Frequenzkomponenten, die in dieser Form auch bei Tinnituspatienten gefunden wurden. Cochleäre Dysfunktionen lassen sich somit durch Frequenz-ZeitAnalyse differenziert darstellen und durch mathematische Modelle nachvollziehen.
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| Frequenz-Zeit-Darstellung registrierter TEOAE eines Ohres mit tonalem Tinnitus, der möglicherweise durch die Erhebung um 5 kHz mit Latenz von 10-20 ms repräsentiert wird. | Frequenz-Zeit-Darstellung simulierter TEOAE. Im verwendeten Modell wurde die Aktivität der äußeren Haarzellen eines engen Cochleabereiches vergrößert, so dass Instabilitäten entstehen (Erhebung um 3 kHz bei 10-20 ms) |