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Klinisch-Praktische Informationen 9, 1 (1993)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Die konservierte humane Trachea als Bioprothese

Die rekonstruktive, lumenwiederherstellende Trachealchirurgie hat biologisch tiefgreifende Probleme zu lösen, um erfolgreich zu sein. Das Atemrohr muss nach der Operation wieder bewegungs- und druckstabil sein und eine funktionstüchtige mukoziliare Clearance aufweisen. Kurzstreckige Stenosen oder Defektzonen können durch Querresektion und End-zu-End-Anastomose der Trachealstümpfe hervorragend versorgt werden.

Bei langstreckigen Stenosen ergeben sich aber für Patient wie Chirurg zahlreiche Probleme. So sind bislang alloplastische Interponate ohne befriedigende Ergebnisse geblieben. Wiederaufbau aus körpereigenem Gewebe mit noch so ingeniösen Teilschritten hat bislang nur in sehr wenigen Fällen in Andeutung Dauererfolg bringen können.

Seitt über 13 Jahren verwenden wir chemisch konservierte menschliche Luftröhren, die als abgemessene Interponate bei Stenosen bzw. Defektstrecken jeder Länge zwischen die Trachealstümpfe einzugliedern sind, so dass sich ein funktionierendes Trachealorgan mit allen mechanischen und funktionellen Anforderungen entwickeln kann (1).

In der Bilanz ergibt sich, dass die transplantierte konservierte homologe (allogene) Trachea ohne Abstoßungserscheinungen in der Klinik benutzt werden kann. An bisher über 70 Patienten mit Nachbeobachtungszeiten bis zu 13 Jahren ergeben sich erstaunlich gute Resultate. Die konservierte Trachealwand dient als Wachstumsschiene für eine neue Tracheal-Schleimhaut und bietet die Basis für die dem Organ zugehörige funktionelle und mechanische Stabilität. Die überwiegende Mehrheit der bisher behandelten Fälle konnte in einzeitigen Maßnahmen erfolgreich behandelt werden. Bei einer Minderheit sind zeitaufwendige Nachkontrollen, in Einzelfällen auch Nachtransplantationen bis zur Erzielung guter Endergebnisse erforderlich geworden. Alle Patienten, die heute zur Nachkontrolle anstehen, bieten unbeeinflusste körperliche Aktivitätsmöglichkeiten. Bei Kindern ist in der Langzeitkontrolle sogar Wachstum festzustellen, das erstaunlicherweise auch den Querdurchmesser betrifft (2).

Nach den umfangreichen klinischen Erfahrungen sind wir in der Lage, die konservierte Trachea als Ersatzmaterial für die Wiederherstellung einer erkrankten Trachea zu benutzen und bislang jede Form und Ausdehnung stenotisch veränderter Tracheen erfolgreich operativ-rekonstruktiv zu behandeln.

Herberhold, C.:
Transplantation von Larynx und Trachea beim Menschen. Eur. Arch. Oto-Rhino-Laryng., Suppl. 1992 / I
Herberhold, C.:
Transplantation von Larynx und Trachea beim Menschen (Erläuterungen zum Referat) Eur. Arch. Oto-Rhino-Laryng.-, Suppl. 1992 / II