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Klinisch-Praktische Informationen 6, 9 (1998)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Erste Ergebnisse nach Cochlear lmplant-Versorgung
an der Universitäts-HNO-Klinik Bonn

Seit Oktober 1997 wurden an der hiesigen Klinik vier Patienten (drei prälingual ertaubte Kinder im Alter von 2,6 bis 5,2 Jahren und eine spätertaubte Erwachsene) mit einem Cochlear Implant (Nucleus Cl 24M) versorgt. Alle vier Patienten befinden sich in einem klinikinternen Rehabilitationsprogramm, das schwerpunktmäßig regelmäßige Feinanpassungen des Sprachprozessors und eine intensive Hör- Sprachförderung realisiert.

Präoperativ zeigten sich bei allen drei Kindern nur noch Tieftonreste bis 750 Hz bei 85-100 dB.Inzwischen liegen die Reaktionsschwellen der mit einem Cochlear Implant versorgten Kinder im Schnitt bei 30-40 dB über einen Frequenzbereich von 250 - 6000 Hz verteilt. Alle drei Kinder entwickelten schon kurz nach der Erstanpassung des Sprachprozessors eine auditive Aufmerksamkeit für akustische Reize und für Sprache. Zwei der Kinder (Erstanpassung November 1997) können mittlerweile in Diskriminationsspielen mehrere Instrumente voneinander unterscheiden mit einer beginnenden Identifikation. Im "Mainzer Kindersprachtest" zeigte eines der Kinder schon eine 80%ige Verständlichkeit der Wörter bei 70 dB. Alle Kinder setzen ihre Stimme variationsreich als Kommunikationsmittel ein und >gelernte Wörter wie z.B. "Mama", "Au(t)o", "Ball", "(h)aben", "auf', "(k)omm" werden spontan gebraucht. Es ist bei diesen sehr günstigen Frühergebnissen zu erwarten, daß im 2. Rehabilitationsjahr eine Sprachentwicklung bis zum Satzgebrauch erreicht wird.

Die erwachsene Patientin hatte vor Implantation einen Diskriminationsverlust für Einsilber von 85 % bei 100 dB. Inzwischen zeigt sich nur noch ein Diskriminationsverlust von 45 % bei80 dB. Vor der Versorgung mit dem Cl war ihre Kommunikationsmöglichkeit auf visuelle Informationsträger (Lippenlesen, Schriftbild) beschränkt. Mittlerweile kann sie mit bekannten Personen wieder telefonieren. Sie ist in ihren Beruf als Krankenschwester zurückgekehrt.

 1 a) 1 b) Abb. 1: Entwicklung des Hörvermögens nach CI-Versorgung. a) Prozentsatz der richtig verstandenen Wörter im Sprachaudiogramm bei 60dB (mehrsilbig)
bzw. 80 dB (einsilbig) als Verlaufskontrolle bei der erwachsenen Patientin. b) Verlaufskontrolle der durchschnittlichen akustischen Reaktionsschwellen der CI-versorgten
Kinder im Freifeldaudiogramm