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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
In den letzten 20 Jahren hat die Inzidenz der Karzinome des oberen Aerodigestivtraktes deutlich zugenommen. Nach dem glottischen Larynxkarzinom ist das Oropharynxkarzinom heute der zweithäufigste Tumor im Kopf-Hals-Bereich. Die Prognose der Pharynxkarzinome ist insgesamt schlecht. Hinsichtlich einer kurativen Behandlung und der Überlebensrate hängt sie bei Oro- und Hypopharynxkarzinomen neben der initialen Tumorausdehnung und dem Vorhandensein von Halslymphknotenmetastasen vom Zeitpunkt ihrer Diagnose ab. Viele Patienten kommen mit erheblicher Latenz ab Primärsymptomen zur klinischen Behandlung. Nach der Primärtherapie werden die meisten Tumorrezidive in den ersten 2 Jahren manifest, beim fortgeschrittenen Hypopharynxkarzinom schon innerhalb der ersten 6 Monate.
Unter klinischen Aspekten werden unterschiedliche topographische Regionen des Pharynx definiert, die die Basis für Tumorklassifikationen bilden. Der wachsende Tumor hält sich jedoch nicht an die vorgegebenen anatomischen Grenzen, so dass vielfach Organüberschreitungen vorliegen. Für die Wahl des chirurgischen Vorgehens ist daher nicht allein die absolute Tumorgröße entscheidend, sondern die Lagebeziehung zu benachbarten Organen, wie z.B. Zunge oder Larynx. Durch die Kreuzung von Luft- und Speisewegen sind Oro- und Hypopharynx einerseits sowie Zunge und Larynx andererseits Teil eines Organsystems, so dass der Tumorlokalisation funktionelle Bedeutung im Hinblick auf das Resektionsausmaß zukommt. Standardtherapie ist ein kombiniertes chirurgisch-radiologisches Vorgehen. Eine zytostatische Chemotherapie ist trotz vieler Bemühungen und Ansätze bislang nicht zu einer prognoseverbessernden Modalität gereift. Die operationstechnische Machbarkeit radikaler Eingriffe zur lokoregionalen Tumorsanierung stößt heute lediglich auf biologische Grenzzonen (z.B. Schädelbasis) und muss daher gegenüber Risiko, Lebenserwartung und verbleibender Lebensqualität abgewogen werden. Unter Berücksichtigung der begrenzten Prognose sind unabhängig von diesen Limitierungen in den letzten Jahren die Bemühungen um eine funktions- und organerhaltende Chirurgie intensiviert worden. Die transorale laser-mikrochirurgische Tumorentfernung mit ggf. zweizeitig nachfolgender Neck dissection und Strahlentherapie kann fallselektiv in die onkochirurgischen Maßnahmen eingegliedert werden.
Für die Operationsplanung ist eine präzise Tumordiagnostik hinsichtlich Oberflächen- und Tiefenausdehnung der Tumoren, Tumorlokalisation und Halslymphknotenbefall unverzichtbar. Neben den bildgebenden Verfahren ist die präliminare Panendoskopie unverzichtbar nicht nur zum Ausschluss von Mehrfachkarzinomen, sondern auch als Basis zur Klärung einer definitiven chirurgischen Indikation und operativer Vorgehensweise. Bildgebung und Endoskopie ermöglichen damit in Kenntnis der physiologischen Funktionsabläufe eine annähernd dreidimensionale Diagnostik als Grundlage, operativ dem „Tumor folgen“ zu können. Das operative Prinzip ergibt sich aus konkreter Tumorausbreitung, Anatomie und Funktionalität des Operationsgebietes.
Wegen der Neigung der Karzinome, submukös zu wachsen, sind resektionsabsetzende Ränder von 1-2 cm in allen drei Dimensionen erforderlich, um sicher tumorfrei zu bleiben. Dieses ist histologisch zu sichern.
Patienten mit nachgewiesenen Halslymphknotenmetastasen werden je nach Befund einer radikalen oder funktionellen Neck dissection unterzogen, bei großen Tumoren mit Entfernung des Primärtumors in Form einer Monoblockoperation. Die lndikation zu einer elektiven oder prophylaktischen Halsweichteilausräumung bei sogenanntem 'NO-Hals' kann im Einzelfall Fragen aufwerfen. Hilfe zur Entscheidung kann die Lokalisation des Primärtumors sein. Nach den eigenen Vorstellungen werden okkulte (subklinische) Lymphknotenmetastasen, die sich bei NO-Hals dem klinisch-bildgebendem Nachweis entziehen, eher bei Lokomobilität des Primärtumors im Bereich des Zungengrundes und der Mundhöhle manifest als bei Lokostabilität. Ist zur Entfernung des Primärtumors ein transzervikaler oder transmandibulärer Zugang erforderlich, gehört auch bei NO-Hals eine funktionelle Neck dissection zum operativen Konzept.