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Klinisch-Praktische Informationen 6, 10 (1998)
Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg
(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Dysphagie und Globus bei gastroösophagealer
Refluxkrankheit
Patienten mit ösophagealer Dysphagie
haben Schwierigkeiten, Speisen in den Magen zu befördern,
nachdem sie erfolgreich eingeschluckt sind.
Anamnestisch wird häufig ein schmerzhaftes Gefühl des Steckenbleibens von Speisen hinter dem Sternum
angegeben, verbunden mit Sodbrennen, Regurgitation und
Erbrechen. Vordergründig sollte bei der
Anamnese "Retrosternalschmerz" der Ausschluß einer kardialen Erkrankung erreicht werden.
Aus der umfangreichen gastroenterologischen
Differentialdiagnose kommen vor allem primäre Motilitätsstörungen der Speiseröhre
in diesem Zusammenhang in Betracht, aber auch nach organischenVeränderungen, wie z.B. Tumoren, peptischen
Strikturen, Ösophagitiden, medikamentösen Ulzera, Ringenund Membranen ist zu fahnden.
Die häufigste Motilitätsstörung
der gastroenterologischen Praxis ist die gastroösophageale
Refluxkrankheit.Schädigendes Agens ist gastrale und/oder
biliäre Säure. Das entscheidende Problem aber ist eine
gestörte ösophageale Motilität.
Prädisponierende Faktoren sind die Hiatushernie, eine langsame
ösophageale und/oder auch gastrale Entleerung, abnorme
Kontraktionsabläufe im tubulären Ösophagus,
intraabdominelle Druckerhöhungen und besonders der sog.
inkompetente untere Sphinkter. So wird Reflux nicht nur statisch durch einen häufig erniedrigten Sphinkterdruck,
sondern auch dynamisch durch eine spontane Sphinkter-erschlaffung begünstigt. Im Hinblick auf
das vielfältige, auch extraösophageal sich manifestierende Beschwerdebild der gastroösophagealen
Refluxkrankheft (Tabelle) ist auch eine überwiegend laryngeale oder bronchopulmonale Symptomatik zu beachten.
Dysphagie, Odynophagie und Globus nehmen mit dem Fortschreiten der sich ausbildenden
Refluxösophagitis zu. Endzustand ist die peptische Striktur oder
aber das präkanzeröse Barrett-Ulkus.
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Gastroösophagealer Reflux
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ösophageal
Sodbrennen
Regurgitation
häufiges Schlucken
Brustschmerz
Dysphagie, Odynophagie
Singultus |
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putmonallkardial
chronischer Husten
nicht-allergisches
Asthma
rezidiv.
Atemwegsinfekte
Aspirationspneumonie
OSAS (bes.
Säuglinge!)
Bradykardie |
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oral/pharyngeal
Glossodynie
Zahnschmelzverlust
Halitosis
trockener Hals
Globus pharyngis
krikopharyngeale
Achalasie |
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laryngeal
Räusperzwang
chronische Heiserkeit
Laryngitis
(Cherry-Donner-S.)
Kontaktgranulom
subglottische Stenose
Laryngospasmus |
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aural
Otalgie |
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Halsweichteile
lateraler Halsschmerz
Torticollis
(Sandifer-S.) |
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Mehr als die Hälfte der Reflux-Patienten
lokalisieren ihre Beschwerden suprasternal und pharyngeal. Häufiges Korrelat ist in diesen Fällen
eine pharyngoösophageale Relaxationsstörung. Unklar ist, ob
solche Dyskinesien immer somatischeUrsache für
Dysphagie oder Globus sind. Es wird vermutet, daß durch Verlagerung von Speisebestandteilen gegen den
Sphinkter eine Kontraktion erforderlich wird, um eine pharyngeale Regurgitation zu verhindern. Hierdurch
steigt jedoch zwangsläufig der intraluminale Sphinkterdruck, was auf Dauer den
interdeglutitiven Ruhedruck erhöhen kann, aber keine Globusbeschwerden verursacht. Krikopharyngeale Spasmen
als alleinige Ursachen des Symptoms gelten heute als ausgeschlossen. Folge der momentanen
Druckerhöhung im oberen Sphinkter ist ein evoziertes Potential mit plötzlicher Tonusänderung des
Krikopharyngeus, die dann symptomatisch wird. Die Therapie mit prokinetischen Substanzen
wie Cisaprid (z.B. Propulsin R, Alimix
R) bietet einen kausalen Ansatzpunkt in der Behandlung der
gastroösophagealen Refluxkrankheit, während säuresupprimierende
H2-
Blocker wie Cimetidin (z.B. Tagamet
R, Ulcolind
R), Ranitidin (z.B. Sostril
R, Zantic
R) oder Famotidin (z.B.
Pepdul R, Ganor
R) rein symptomatisch wirken. In schweren
Fällen wird zusätzlich ein Protonenpumpen-
hemmer wie Omeprazol (z.B. Antra
R, Gastroloc
R )zur Inhibition der basalen und
postprandialen
Säuresekretion rezeptiert. Peptische Strikturen
können auch bougiert werden. Patenten mit persistierender
Symptomatik, Komplikationen, Epitheldysplasien,
begleitender Hiatushernie oder Sphinkterinsuffizienz
werden einer Antireflux-Operation wie der
Fundoplicatio n. Nissen zugeführt. Bei einer therapieresistenten
posterioren Laryngitis mit begleitenden
Schluckstörungen und Säurenachweis im oberen Ösophagus ist
eine
probatorische Therapie mit
H2-Blockern oder einem Omeprazol-Präparat
gerechtfertigt.
Alle Patienten mit Dysphagie-Beschwerden
werden gemeinsamen mit Kollegen der Inneren Medizin/Gastro
enterologie, Radiologie und Neurologie in unserer
Dysphagie-Sprechstunde untersucht und mit
Therapieempfehlungen versehen.
- Walther, E.K.: Leitthema Schluckstörungen.
HNO 46 (1998) 712-728
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