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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
In der Schädelbasis-Chirurgie hat sich in den letzten Jahren eine neue Zielsetzung entwickelt, die unter Zusammenarbeit der benachbarten Fächer Neurochirurgie, MKG-Chirurgie sowie HNO-Kopf- und Hals-Chirurgie erreichbar wird. Die Krankheitsherde liegen nicht mehr ausschließlich im Arbeitsbereich der Einzelfächer, sondern in der Schädelbasis mit Beteiligung der Dura, Erreichen des Endokranialraumes bzw. allein endokraniell. Der Zugang zum Krankheitsort und die morphologische und/oder funktionelle Rekonstruktion der Kontur bzw. Funktionsbereiche an Schädel und Gesicht werden chirurgische Aufgab. Die Patienten sind in der Regel an Tumoren erkrankt, die nach morphologischen Kriterien zu etwa 70 % als gutartig, zu etwa 30 % als bösartig eingestuft werden. Hinzu kommen Fehlbildungen und Traumata. Die Aufgabe des HNO-Kopf-Hals-Chirurgen ist es, für den Neurochirurgen von außen den Zugang zum Krankheitsherd vornehmlich im Bereich der vorderen und mittleren Schädelgrube zu schaffen und/oder für die gestaltliche und funktionelle Rehabilitation an Kopf und Hals Sorge zu tragen.
Im eigenen Krankheitsgut. aus dem Beispiele vorgetragen wurden, dominieren Osteofibrome. Neurofibrome, Dermoide und ausgedehnte Glomustumoren neben Schädelbasis erreichende bzw. überschreitende Karzinome.
Die Indikation zur operativen Therapie dieser kompliziert gelagerten Tumoren liegt in der onkochirurgischen Resektion bösartiger Prozesse sowie in der Ausschälung gutartiger Neubildungen, bei denen im Verlauf langfristig lebensbedrohliche endokranielle Allgemeinsymptome zu befürchten sind.
Der Zugang zur Fronto- bzw. Rhinobasis und zur vorderen Schädelgrube kann fallabhängig durch anteriore, transfaciale oder durch frontolaterale, transmaxilläre Wege erfolgen. Die mittlere Schädelgrube wird trans- oder infratemporal einschließlich aller Variationen gefunden. Bei Beteiligung des stomatognathen Systems hilft der MKG-Chirurg zusätzlich.
Der Operation voraus gehen umfangreiche diagnostische Maßnahmen durch bildgebende Verfahren einschließlich Angiographie, gegebenenfalls mit Embolisierung der erkrankten Zonen und Bestimmung der endokraniellen gefäßbezogenen Kollateratreserve der Hirndurchblutung.
lntraoperativ können Monitoringsysteme zur Lokalisation und zum Schutze nervaler Funktionsbereiche eingesetzt werden. Verfahren der Rekonstruktion nervaler wie knöcherner Strukturen werden ein- oder mehrzeitig eingesetzt, so z.B. die Immediattransplantation von Fazialis oder sonstiger Hirnnervenverläufe sowie der Rekonstruktion knöcherner Defekte durch Implantation computergemessener osseointregrierbarer Ersatzmaterialien (bevorzugt Jonomerzement).
Die bisherigen Resultate sind krankheitsbezogen sehr zufriedenstellend. Maligne Prozesse unterliegen zwar der inneren biologischen Dynamik der Grunderkrankung, können jedoch nach operativer Therapie in Verbindung mit geeigneten Zusatzbehandlungen zumindest eine befriedigende Lebensqualität für unsere Patienten bieten. Bei Entfernung histologisch gutartiger Prozesse rechtfertigt funktionelle Beschwerdelimitierung oder Beseitigung des Krankheitsprozesses den großen Aufwand. Motivierend für uns Operateure ist die große Zufriedenheit der Patienten und die Dankbarkeit gegenüber der kooperativen Behandlungsweise zwischen den Disziplinen.
Was die chirurgische Technik angeht, verfolgen wir mehr und mehr neben der Tumorentfernung Neuentwicklungen von Zugangsverfahren, die nach Abgrenzung des Krankheitsherdes kosmetisch wie funktionell zufriedenstellende Ergebnisse ermöglichen. So wird hinsichtlich der Funktion des Nervus facialis nicht wie bei sonstiger facialisbezogener Chirurgie vom Hauptnervenstamm in die Peripherie operiert, sondern umgekehrt von der Peripherie in Richtung Hauptnervenstamm, um die in den Gesichtsweichteilen verlaufenden Nervenstrecken erst gar nicht zu berühren.
Die Zusammenarbeit der im Schädelbasisbereich arbeitenden chirurgischen Disziplinen bietet für unsere Patienten einen neue Kategorie an Behandlungsmöglichkeiten, wo bis in die jüngste Zeit überwiegend nur Resignation stand. Kenntnisse und Verfahrensreichtum der einzelnen angesprochenen Disziplinen kumulieren im Einzelfall. Für jedes der beteiligten Fächer ergibt sich die Motivation, ihr technisches Repertoire unter den neuen Gesichtspunkten der chirurgisch-kooperativen Arbeit zu überdenken und gegebenenfalls fallgerecht zu modifizieren.