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Klinisch-Praktische Informationen 2, 11 (1994)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Mittelgesichts-Osteosynthese mit Mikro-Systemen

Für die wiederherstellende Chirurgie des Gesichtsschädels nach Trauma, nach Tumorresektion und bei orthognathisch-chirurgischen Eingriffen ist die Platten-Osteosynthese integrativer Bestandteil. Im Bemühen um eine kontinuierliche Verbesserung von metallischen Implantaten wurden die „klassischen“ AO-Platten in den letzten Jahrzehnten sukzessive verkleinert. Lange Zeit waren dann sogenannte Mini-Platten-Systeme (Abb.1) der Standard für kranio-maxillofaziale Osteosynthesen. Fixations-und Kompressionsplatten unterschiedlicher Konfiguration (eindimensional: gerade, gebogen; zweidimensional: T- und Doppel-T-Form, L-Form mit unterschiedlichem Deviationswinkel) standen und stehen zur Verfügung. Dennoch offenbart die Mini-Platte gewisse Nachteile und Limitierungen in der Anwendung, die auf ihre Größe zurückzuführen sind. Bei einer Minimallänge von etwa 20 mm (je nach Konfiguration) sind Schraubendurchmesser von mindestens 2 mm mit einer Mindestlänge von 3 mm erforderlich, um eine adäquate Plattenfixierung zu erreichen. An den zum Teil sehr dünnen Knochen der Kieferhöhlenvorderwand oder im naso-fronto-ethmoidalen Winkel ist dies zuweilen nicht möglich, besonders bei Kindern. Vielfach sind Platten und Schrauben an exportierter Stelle durch die äußere Haut sichtbar und palpabel, was nicht selten zu subjektiven lokalen lrritationen führt.

Die weitere Entwicklung führte zu Mikro-Systemen, die das bisherige Indikationsspektrum erweitern. Bei gleicher Konfigurationspalette wie die Mini-Platten sind Mikro-Platten bereits ab einer Länge von 6 mm verfügbar. Bei den selbstschneidenden Mikro-Schrauben wurde der Durchmesser auf 0,8 mm reduziert, ihre Länge auf minimal 2 mm gekürzt (Abb.2). Neben Reduzierung der implantierten Metallmenge erlauben die Mikro-Platten Synthesen auch dünner und dünnster Knochenplatten oder -lamellen.

Anhand von Biegeschablonen werden die Platten nach den individuellen Bedürfnissen der jeweiligen Fraktursituation in-situ über die Fläche oder die Kante angepasst. Aufgrund der kleineren Maße werden äußerlich sichtbare Hautschnitte minimiert. Im lnfraorbital-Bereich ist ein transkonjunktivaler Zugang mit Plattenimplantation problemlos möglich. Korrosionsbeständige Vitallium-Platten können im Prinzip in situ belassen werden, wir empfehlen jedoch ihre Entfernung nach ossärer Festigung (nach ca. 6 Monaten).

Walther, E.K.: