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(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Seitder ersten Laryngektomie durch Billroth im Jahre 1873 wurde das Therapiekonzept bei Larynxkarzinomen vielfach geändert. Mit der fortschreitenden Entwicklung der diagnostischen Möglichkeiten durch Mikrolaryngoskopie und bildgebende Verfahren wurde in den letzten Jahren eine defektorientierte funktionelle Chirurgie des Larynxkarzinoms möglich. Grundlage ist das Bemühen um Funktionsschonung unter Beachtung erforderlicher Radikalität. Dieses Therapiekonzept bildet seit 1985 an der Bonner Hals-Nasen-Ohren-Universitätsklinik die Basis für die Behandlung u.a. von Larynxkarzinomen. Zur Überprüfung der Erfolgsrate dieses Vorgehens wurden Patienten aus dem Zeitraum vom 1.1.1986 bis 31.12.1991 bezüglich ihrer Überlebensrate untersucht.
Patienten, die bereits außerhalb der Bonner HNO-Klinik vorbehandelt worden waren, gingen in die Auswertung ebenso nicht ein wie solche Patienten, die die Behandlung abbrachen oder ihre Einwilligung in diagnostische oder therapeutische Maßnahmen verweigerten. Es wurde die gesicherte Überlebenszeit berechnet aus dem Zeitraum zwischen Operations-und Todesmonat bzw. des Monats des letzten Eintrags auf dem Krankenblatt des Patienten in der tumornachsorgenden Sprechstunde. Stichtag der Verlaufskontrolle war der 1.1.1994. Insgesamt kamen 135 Patienten zur Auswertung.
Hinsichtlich des Operationsumfangs wurden nach organerhaltenden, defektorientierten Kehlkopfteilresektionen günstigere Überlebensraten deutlich (87% über 37 Monate) als nach totaler Laryngektomie (68% über 60 Monate). Dies war auch der Fall nach ausgedehnten partiellen Laryngektomien mit Resektionen von Anteilen des Larynxskelettes (71 % über 33 Monate). Bei ausschließlich endolaryngealem Vorgehen ergab sich eine Bilanz von 93% über 37 Monate. Während der Vorteil des Organerhalts bei defektorientierten externen Teilresektionen gegenüber einer Laryngektomie noch darin liegt, dass kein dauerhaftes Tracheostoma erforderlich ist mit der prinzipiellen Möglichkeit zur sprachlichen Kommunikation, bietet die Endoskopie bzw. Mikrolaryngoskopie-gestützte Laserchirurgie darüberhinaus den Funktionserhalt bei nicht schlechterer Langzeitprognose.
Unter Berücksichtigung der Tumorlokalisation wiesen Patienten mit glottischen Larynxkarzinomen aller Stadien mit einer 5-Jahres-Überlebenszeit (60 Monate) von 95% die günstigste Prognose auf. Alle anderen Lokalisationen im Larynx hatten eine deutlich schlechtere Prognose. Bei supraglottischem Primärbefund und wurde eine Überlebensrate von 67% in einem Zeitraum von 33 Monaten postoperativ ermittelt. Eine Überlebenszeit von 29 Monaten erreichten 40% der Patienten mit subglottischen Karzinomen, die zusammen mit transglottischer Tumorausdehnung (52 % über 26 Monate) die ungünstigste Prognose haben. Die erheblich bessere Prognose des glottischen Larynxkarzinoms gegenüber den anderen genannten Lokalisationen ist darauf zurückzuführen, dass sie aufgrund des typischen Frühsymptoms Heiserkeit meist früher erkannt werden. Hinzu kommt die im Vergleich zu den anderen Kehlkopfregionen spärlichere Lymphdrainage der Glottis, so dass Tumoren der Glottis ohne lymphogene Aussaat länger lokal begrenzt bleiben.
Die 5-Jahres-Oberlebensrate aller Patienten im genannten Zeitraum liegt mit 80% deutlich höher als in anderen Untersuchungen, die eine globale 5-Jahres-Oberlebensrate für die Zeiträume 1960-1969 bzw. 1975-1984 von 57% bzw. 67% angeben. Dieser Fortschritt basiert auf dem Prinzip einer defektorientierten, individuell konzipierten, funktionellen Larynxchirurgie.