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Klinisch-Praktische Informationen 6, 11 (1997)

Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg

(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)

Cochlear Implant

Das Cochlear Implant (CI) ist ein in das Felsenbein eingepflanzter elektronischer Empfänger mit Reizgeber und abfahrendem Elektrodenbündel: von einem hörgeräteähnlichen Mikrofon werden Schallwellen aufgenommen, in einem am Körper getragenen Minicomputer (Sprachprozessor) verarbeitet und in elektrische Impulse umgewandelt. Diese Impulse werden von einem kleinen Sender, der hinter der Ohrmuschel magnetisch gehalten wird, transkutan zu dem implantierten Empfänger und Reizgeber geschickt. Der Reizgeber steuert das in die Hörschnecke eingelegte Elektrodenbündel an. So erhält der Hörnerv innerhalb der Schnecke an verschiedenen Stellen elektrische Impulse. Natürliches Hören wird so zu elektrischem Hören. Bei gehörlosen Menschen können unter günstigen biologischen Voraussetzungen durch angemessene Stimulation Hörwahrnehmungen ermöglicht werden.

Für den Einsatz eines Implantates sind Patienten mit beidseitiger, vollständiger Taubheit oder Resthörigkeit geeignet, die ein Sprachverstehen selbst mit modernsten Hörgeräten nicht erreichen. Hörnerv und nachgeschaftete Hörbahn müssen funktionsfähig sein. Dies kann durch spezielle elektrophysiologische Funktionsprüfungen ermittelt werden, indem durch das Trommelfell hindurch über eine Elektrode die Hörschnecke elektrisch gereizt wird (Promotoriumstest). Über spezielle bildgebende Diagnostik der Schädelbasis müssen krankhafte Veränderungen der Hörschnecke und des Hörnervs ausgeschlossen werden.

Die etwa zweistündige Operation erfolgt in Vollnarkose. Über einen Hautschnitt hinter der Ohrmuschel erfolgt der Zugang zur Hörschnecke, in die durch ein kleines Bohrloch die Elektrode eingeführt wird. Intraoperativ wird nach Einsetzen der Elektrode die Funktion des Implantates und der neuralen Hörbahn über den Stapediusreflex unmittelbar überprüft.

Von entscheidender Bedeutung ist die postoperative Betreuung der Patienten. Unter fortlaufender Feinanpassung der Reizelektronik in Abhängigkeft von Hörreaktion des Patienten wird die Rehabilitation über ein Hör- und Sprachtraining individuell gefördert. Das Training beginnt mit dem Erkennen von Zeitmustern unterschiedlicher Schallsignale. Unter Hilfestellung des Hör-Sprach-Therapeuten lernt der Patient zwischen verschiedenen Vokalen bzw. Konsonanten zu unterscheiden. Über Ubungen mit anfangs zusätzlichem Lippenablesen wird später das Ziel des Sprachverstehens unter alleiniger Benutzung des Sprachprozessors verfolgt. Bei Kindern orientiert sich die individuelle Hör- und Spracherziehung an den Schritten der Hör- und Sprachentwicklung eines normalhörenden Kindes.

Die postoperativen Rehabilitationsergebnisse sind entscheidend abhängig vom Lebensalter bei Ertaubung und der danach verstrichenen Zeit. Gehörlosigkeit von mehr als 10 Jahren ermöglicht eine ungünstige Prognose, andererseits kann bei taub geborenen Kindern eine Operation bereits ab dem zweiten Lebensjahr empfohlen werden.

Nach zweijähriger Rehabilitationzeit verstehen ca. 80 % der Erwachsenen ohne Lippenablesen in der Testsituation gesprochene Worte. Von gehörlos geborenen Kindern erlangen fast alle nach zwei Jahren Hör- und Spracherziehung Fähigkeiten zur Unterscheidung und Erkennung von Sprachmustern, ca. 40% sind in der Lage, mindestens einfache Sätze zu verstehen und nachzusprechen.

Das CI kann helfen, gehörlose Menschen in die Gesellschaft der Hörenden zu integrieren. Im Oktober 1997 wurden in unserer Klinik die ersten Implantate eingepflanzt.