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Klinisch-Praktische Informationen 11, 1 (1993)
Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke der Universität Bonn
Bonn-Venusberg
(Direktor Prof. Dr. C. Herberhold)
Artefakterkennung bei Ableitung evozierter
Potentiale von der Kopfhaut
Die Auswertung von Registrierergebnissen
evozierter Potentiale, insbesondere der olfaktorisch evozierten Potentiale
aus dem Hirnrindenbereich, kann durch Artefakteinstreuung unterschiedlicher
Genese problematisch werden. Durch nicht erkannte und von der Mittelung
ferngehaltene EEG-Abschnitte können Reizfolgephänomene
vorgetäuscht oder vorhandene Potentialbilder verformt werden. Durch
spezifische Berechnungsalgorithmen können Artefakte, die das
Mittelungsergebnis verfälschen, in einem gemessenen EEG-Abschnitt von
einem Computer erkannt und von der Mittelung ferngehalten werden (2). |
| Für diskrete, äquidistante Abtastwerte
mit der Anzahl n des zeitlichen Kurvenverlaufs, die üblicherweise nach
Analog-Digital-Wandlung zur weiteren Verarbeitung von einem Rechner vorliegen,
lassen sich aus den Amplituden a1,
a2,...,an, aus den Steigungen (Differenzen der Amplituden)
d1 = a1 - a2, d2 = a2
- a1,..., dn = an - an-1 und
Krümmungen (Differenzen der Differenzen) d2 - d1,
d3 - d2,..., dn - dn-1 eines
gemessenen EEG-Abschnittes und über die Varianzen |
Sa2 =
(a12 + a22 + ... +
an2)/n
Sd2 =
(d12 + d22 + ... +
dn2)/n
Sdd2 = ((d2
- d1)2 + (d3 -
d2)2 + ... + (dn -
dn-1)2) |
| Schwingungsparameter einer Meßkurve
wie folgt berechnen (1): |
A = (a12 +
a22 + ... +
an2)n
M =
Sd/Sa
C =
(Sdd2/Sd2 -
Sd2/Sa2)1/2 |
| Normiert auf die Abtastfrequenz ergibt die
Größe A ein Maß für die mittlere Leistung, B für
die mittlere Frequenz und C für die Bandbreite der EEG-Kurve. Die Parameter
M und C beschreiben vollständig ein physikalisches Schwingungssystem
2. Ordnung (gedämpfte Schwingung). Ein großer Vorteil dieser
Berechnung liegt in dem hohen Maß der Datenreduktion, Frequenzberechnungen
über die Fourier-Transformation sind nicht erforderlich. Durch die
Größe A und Berechnung des Verhältnisses M/C läßt
sich ein Artefakt als transiente Kurvenabweichung rechnerisch beschreiben,
indem das Verhältnis M/C einen kleinen Wert annimmt und die Amplituden
in dem betreffenden Zeitabschnitt im Vergleich zu den übrigen
Zeitabschnitten der Meßkurve gleichzeitig groß werden (3). Auf
die Registrierung olfaktorisch evozierter Potentiale angewandt, können
69 % der Artefakte automatisch erkannt und somit die betroffenen EEG-Abschnitte
von der Mittelung ferngehalten werden. In nur 5 % der zu messenden EEG-Abschnitte
werden EEG-Abweichungen fälschlicherweise als Artefakt bewertet. Diese
automatische Artefakterkennung führt zu einer deutlichen Akzentuierung
der evozierten Potentiale. Ungeachtet der üblicherweise eingesetzten
Artefakterkennung durch Amplitudenbegrenzung läßt die
zusätzliche Artefakerkennung durch Bestimmung der Schwingungsparameter
auf Zeitbasis auch bei ungünstigem Signal-Rausch-Verhältnis
reizbezogene Reaktionen deutlicher auflösen. |
| (1) |
-
Hjorth, B.: Time Domain Descriptors and Their
Relation to a Particular Model for Generation of EEG Activity. In: G. Dolce,
H. Künkel (Hrsg.): CEAN Computerized EEG Analysis, Gustav Fischer 1975,
S. 3-8
|
| (2) |
-
Rödel, R.: Entwicklung eines Rechenprogrammes
zur Analyse olfaktorisch evozierter Potentiale. Inaug. Diss. Bonn 1985
|
| (3) |
-
Rödel, R., C. Herberhold: Artifact
identification by time domain analysis in evoked potentials. In: D. Höhman
(Hrsg.): ECoG, OAE and Intraoperative Monitoring. Proceedings of the First
International Conference Würzburg, Germany, Sept. 20-24, 1992. Kugler
Publications 1993, S. 165
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